Aktuelle Entwicklung bei Anleihen ETFs

Wenn es darum geht, die Liquidität einzuschätzen, die sozusagen „frisch“ an die Märkte strömt, dann schaue ich mir auch gerne das Bild bei den europäischen ETFs an. Denn wenn da netto Gelder abgezogen werden, kann das den jeweiligen Markt durchaus belasten. Umgekehrt sind hohe Netto-Zuflüsse tendenziell bullish. Heute möchte ich mir einmal den Markt für europäische Anleihen ETFs anschauen. Wie sah es da zuletzt aus in Bezug auf die netto Zu- bzw. Abflüsse? Hier einige Details dazu:

Michael Vaupel

Inhaltsverzeichnis

  • Michael Vaupel
  • Klarstellung

Michael Vaupel

Redakteur bei Vaupels Börsenwelt
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
Michael Vaupel

Letzte Artikel von Michael Vaupel (Alle anzeigen)

Zunächst einmal die – meiner Ansicht nach – wichtigste Zahl in Bezug auf den europäischen ETF-Markt für Anleihen ETFs: Es gab Netto-Zuflüsse, und zwar in Höhe von 671 Mio. Euro. Damit beziehe ich mich auf die Zahlen für den Monat September, Quelle ist der große ETF-Anbieter Lyxor ETF.

  • Doch für sich gesehen ist das noch nicht besonders aussagekräftig. Deshalb der Vergleich zu den entsprechenden Vormonaten. Und da hatte sich ein durchaus sprunghaftes Bild ergeben. Konkret:
  • Im Juli und August 2015 hatte es bei europäischen Anleihen ETFs noch jeweils Netto-Zuflüsse von mindestens 2 Mrd. Euro gegeben
  • Im Mai und Juni 2015 wiederum hatte es bei europäischen Anleihen ETFs jeweils Netto-Abflüsse von jeweils 1 Mrd. Euro oder mehr gegeben

Quelle: Lyxor ETF

„Stetige Entwicklung“ sieht anders aus. Alleine zwischen Juni und Juli 2015 gab es eine Pendelbewegung um über 3 Mrd. Euro (von über 1 Mrd. Euro Abflüssen hin zu rund 2 Mrd. Euro Zuflüssen). Die zuletzt gemeldeten 671 Mio. Euro Netto-Zuflüsse sind vor diesem Hintergrund zwar nicht besonders überragend, aber durchaus in Ordnung in Bezug darauf, dass dieser Markt weiter boomt.

Warum eigentlich? Denn mit Staatsanleihen lässt sich doch derzeit kaum ein Blumentopf gewinnen, zumindest mit den Staatsanleihen der großen Schuldner. Am mittleren Ende (2-3 Jahre Restlaufzeit) sind die Renditen bei zahlreichen Anleihen negativ. Sowohl deutsche als auch finnische und sogar slowakische Anleihen bieten da teilweise nur Negativ-Renditen. Da lässt sich genau ausrechnen, wieviel Geld sich mit dem Kauf einer solchen Anleihen verlieren lässt. Das ist ja wohl kaum attraktiv. Deshalb habe ich genauer hingeschaut, in welche Anleihen ETFs genau flossen besagte Netto-Zuflüsse von 671 Mio. Euro?

Der Großteil der Zuflüsse floss in ETFs auf europäische Staatsanleihen. Da lagen die Netto-Zuflüsse bei rund 1,1 Mrd. Euro und damit sogar über der Höhe der gesamten Zuflüsse. Das heißt, es muss in bestimmten Sektoren auch Netto-Abflüsse gegeben haben. Gab es auch. Konkret:

  • Anleihen ETFs auf US-Staatsanleihen, Staatsanleihen der „Emerging Markets“ und Hochzinsanleihen (Junk Bonds) verzeichneten Netto-Rückflüsse im September 2015.
  • Netto-Zuflüsse gab es hingegen auch bei Geldmarkt-ETFS: Die Netto-Zuflüsse lagen da bei 223 Mio. Euro.
  • Dann noch ETFs auf Unternehmensanleihen: Da waren die Zu- und Abflüsse den Zahlen von Lyxor ETF zufolge relativ ausgeglichen.
  • Mit anderen Worten: Bei den Anleihen ETFs, die relativ riskant sind, aber dafür auch Zinsen bieten, gab es Netto-Abflüsse.
  • Und bei den Anleihen ETFs, deren Risiko geringer ist, aber die dafür so gut wie keine Zinsen (!) bieten, gab es relativ hohe Zuflüsse.

Daraus lassen sich folgende Schlüsse ziehen: Die Anleger haben weiterhin Geld (weiter Netto-Zuflüsse in diesen Sektor), und sie setzen derzeit „Sicherheit“ (oder „wahrgenommene Sicherheit“) vor Rendite.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit diesem Basiswert zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.