Bayer plant Börsengang von Covestro

Ursprünglich hieß es, dass die Bayer-Tochter Covestro noch dieses Jahr an die Börse gebracht werden soll. Das wäre dann wahrscheinlich der größte Börsengang am deutschen Markt in diesem Jahr gewesen. Doch offensichtlich dauert es doch noch etwas länger. Covestro – der Name ist (noch?) kaum allgemein bekannt. Dabei handelt es sich bei der Bayer-Tochter um ein Unternehmen mit Milliardenumsätzen und rund 14.000 Beschäftigten (manche Kleinstädte haben soviele Einwohner/innen). Hier der Blick auf Bayer und Covestro.

Michael Vaupel

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  • Klarstellung

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Redakteur bei Vaupels Börsenwelt
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Beginnen wir ganz einfach mit einer kleinen Wikipedia-Recherche. Was stellt Covestro eigentlich her? Antwort:

„Covestro fertigt und entwickelt Werkstoffe, wie z. B. Lacke, Kleb- und Dichtstoffsysteme, Polycarbonate (CDs, DVDs), Polyurethane“

Quelle: Wikipedia

Die Beschäftigtenzahl hatte ich bereits erwähnt: Rund 14.000 Mitarbeiter(innen). Der jährliche Umsatz bewegt sich in der Größenordnung von rund 12 Mrd. Euro. Wie konnte so ein Schwergewicht bisher kaum Beachtung finden? Ich gestehe: Mir persönlich sagte der Name Covestro bis vor kurzem noch überhaupt nichts.
Das ist aber auch vielleicht kein Wunder: Denn Covestro ist ein relativ neuer Name – zuvor war dieser Teilbereich von Bayer unter dem Namen „Bayer Material Sciences“ bekannt. Doch wenn eine Tochter an die Börse gebracht werden soll, ist es nicht sinnvoll, den Namen „Bayer“ im Firmennamen zu lassen. Und nur „Material Sciences“ klingt auch nicht berauschend. Deshalb wurde vom Bayer-Management beschlossen, die Tochter vor dem Börsengang umzubenennen in besagte „Covestro“.

Der Firmenname soll sich laut Handelsblatt übrigens aus den Begriffen „collaboration“ und „strong“ zusammensetzen, also sinngemäß in etwa: „Zusammenarbeit“ und „stark“, starke Zusammenarbeit. Ich möchte nicht wissen, wieviel Geld eine möglicherweise beauftragte Werbeagentur für diese Namensfindung erhalten hat.

Doch es kommt ja nicht auf den Namen, sondern auf den Inhalt an. Und einem ersten Eindruck zufolge war die Ergebnisentwicklung bei Covestro zuletzt durchaus in Ordnung. Natürlich gibt es noch keine Geschäftszahlen ausschließlich für „Covestro“, da das Unternehmen noch im Bayer-Konzern konsolidiert wird. Im Zuge des Börsengangs dürften aber entsprechende Unterlagen bereitgestellt werden, welche sich Interessierte dann anschauen können.

Ich stelle mir allerdings gerade eine sehr einfache Frage: Wenn Covestro ein so klasse Unternehmen ist – warum möchte Bayer es dann überhaupt an die Börse bringen? Denn das ist ja schließlich ein Verkauf, und wer verkauft schon etwas ohne Not, was schöne Gewinne bringt?

Eine teilweise Antwort auf diese Frage gibt das Bayer-Management selbst. Es sei noch nicht entschieden, ob es zu einem Börsengang (IPO) oder einer Abspaltung (Spin Off) kommen werde, so berichtete gestern die Frankfurter Allgemeine Zeitung zu diesem Thema. Und bei einem Börsengang würde die Mutter = der Bayer-Konzern zumindest vorläufig durchaus noch als Mehrheitsaktionär mit dabei bleiben.

Das wäre also eine Möglichkeit: Ein Börsengang, damit die Wertschöpfung von Covestro „sichtbarer“ wird, da eigene Geschäftsberichte, eigener Aktienkurs etc. Die Mehrheit würde aber dennoch bei Bayer liegen, das Unternehmen könnte davon profitieren, auch wenn es einen Minderheitsanteil an die Börse gebracht = verkauft hätte.

Bei einem „Spin Off“ hingegen könnte es so sein, dass die Bayer-Aktionäre zu einem bestimmten Stichtag neue Aktien von Covestro ins Depot eingebucht bekommen. Dann wären die Bayer-Aktionäre auch gleichzeitig Covestro-Aktionäre (wenn sie nicht direkt verkaufen) – und Covestro wäre auch dann in der Wertschöpfung „sichtbarer“. Sie sehen schon: Hier gibt es noch einige Fragezeichen!

Klarstellung

Ich weise darauf hin, dass ich in Aktien von SMA Solar investiert habe. Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit diesem Basiswert zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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