China investiert stark in Osteuropa

Während hierzulande Ost- und Südosteuropa – dazu gehört auch Griechenland – derzeit an den Finanzmärkten hauptsächlich als „Krisenregion“ wahrgenommen werden, sieht das für chinesische Investoren offensichtlich etwas anders aus. Denn zumindest die chinesische Führung möchte ihre Investitionen und auch ihre politische Einflussnahme in dieser Region offensichtlich durchaus ausbauen.

Michael Vaupel

Inhaltsverzeichnis

    • Michael Vaupel
  • Investitionsbedarf in Milliardenhöhe
  • China hält sich bei der Bewertung der Innenpolitik zurück
    • Klarstellung

Michael Vaupel

Redakteur bei Vaupels Börsenwelt
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Dies gilt sowohl für die dortigen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (EU) als auch für diejenigen Staaten, die das nicht sind. Gerade letztere sind derzeit sehr dankbar über ausländische Investitionen.

Im „Wirtschaftsblatt“ fand ich dazu diese interessante Aussage, ich zitiere: „In Ländern wie Bulgarien und Ungarn wird seit der Wirtschaftskrise praktisch überhaupt nur noch mit Unterstützung aus Brüssel öffentliches Geld ausgegeben – eine ungeheure Kraftanstrengung, der sich die EU-Mitglieder verschrieben haben.“

Wenn dies schon für die osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten gilt, dann können Sie sich denken, dass bei Nicht-EU-Mitgliedsstaaten dieser Region der Investitionsbedarf eher noch höher ist. Und Finanzierungen sind im derzeitigen Umfeld durchaus schwierig zu bekommen. Wer in Staaten wie Albanien oder Montenegro größere Investitionen durchführen möchte, dürfte es schwer haben, ohne anderweitige Sicherheiten größere Kreditsummen dafür von Banken der Europäischen Union zu bekommen.

Investitionsbedarf in Milliardenhöhe

Dabei ist der Investitionsbedarf dort massiv. Laut „Wirtschaftsblatt“ (mit Verweis auf eine Studie der Universität Nizza des Jahres 2014) liegt der Investitionsbedarf auf Westbalkan und Kroatien bei jährlich 4 Mrd. Euro für den Transportsektor und 4,5 Mrd. Euro für den Energiebereich. Der Umweltsektor benötige demnach 2,4 Mrd. Euro pro Jahr. Osteuropabank und Europäische Investitionsbank sind aktiv – doch diese stellen keineswegs die Milliarden (nicht Millionen) Euro bereit, die zum Beispiel dafür notwendig wären, wenn in Albanien die Energieversorgung auf eine gut gemanagte und nachhaltige Wasserkraft-Quelle umgestellt werden sollte.

Oder Montenegro – Ausbau der Infrastruktur. Als es dort um den Bau einer Autobahn nach Serbien ging, sagte die Weltbank ihre Beteiligung an der Finanzierung ab. Dies würde die Staatsverschuldung Montenegros zu stark erhöhen. Laut Wirtschaftsblatt sprangen dafür die Chinesen gerne ein. Nun wird ein Teilstück von 40 Kilometern gebaut, zu 85% finanziert von der Exim Bank, einer chinesischen Entwicklungsbank. Gebaut wird dann auch von einer Tochter des chinesischen Unternehmens „China Communications Construction Company“. Auftragsvolumen: Rund 800 Mio. Euro. Welcher Partner hätte Montenegro im aktuellen Umfeld sonst solche Summen für den Bau einer Autobahn bereitgestellt?

China hält sich bei der Bewertung der Innenpolitik zurück

Insofern ist es wenig verwunderlich, dass die chinesischen Investitionen in Millionen bzw. Milliardenhöhe im westlichen Balkan sehr willkommen sind. International bekannt ist auch, dass chinesische Investoren in Bezug auf die Innenpolitik der Staaten, in denen sie investieren, zurückhaltend sind. Das kommt manchmal den Politikern entgegen, beispielsweise in Afrika. Während zum Beispiel im Nord-Sudan westliche Geldgeber auf Defizite in Bezug auf Demokratie und Menschenrechte verweisen, ist das für chinesische Investoren sekundär – es geht um Geschäfte. Dies ist einfach eine andere Herangehensweise, welche in einigen Ländern chinesischen Investoren erst ihre Tätigkeit ermöglicht. Und seit einigen Jahren nun also auch gewissermaßen im „Hinterhof“ der Europäischen Union. Was ist dagegen einzuwenden, wenn es sich um eine „win-win-Situation“ für alle Beteiligten handelt.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit diesem Basiswert zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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