Deutsche Bank Aktie – Lehman Brothers 2.0? – Chancen & Risiken

Deutsche Bank Aktie - Lehman Brothers 2.0?Der 30.9.2016 war ein äußerst auffälliger Tag, was die Kursbewegung der Deutsche Bank-Aktie betraf. Es begann sehr schlecht – denn der Kurs der Aktie fiel unter die psychologisch entscheidende 10 Euro-Marke. Bei deren Unterschreiten hatten diverse Marktteilnehmer regelrechte Panikverkäufe prognostiziert. Und in der Tat gab es dann zunächst auch starke Kursverluste – vorübergehend notierte die Deutsche Bank-Aktie mit einem Kursminus von 9%. Doch dann passierte etwas sehr Auffälliges – denn der Kurs der Deutsche Bank-Aktie drehte und legte einen massiven Turnaround hin und stieg am Ende des Xetra-Handelstages um ca. 6,4%. Von -9% auf +6,4% – und das innerhalb eines einzigen Handelstages! Diese Kursbewegungen sind äußerst volatil und zeigen deutlich, wie angespannt die Stimmungslage in Bezug auf die Deutsche Bank-Aktie ist. Solche Kursschwankungen sprechen für hohe Nervosität der Anleger(innen). Die Frage ist – wird die Deutsche Bank ein Lehman Brothers 2.0? Bekanntlich hatte die Pleite von Lehman Brothers viele Privatanleger viel Geld gekostet, und nicht nur das – das war Auslöser einer handfesten Wirtschaftskrise. Könnte sich dieses Szenario wiederholen, nur diesmal mit der Deutschen Bank als Auslöser einer neuen Wirtschaftskrise? Aus diesem Grund heute der Blick auf die Situation bei der Deutschen Bank. Zur Sache:

Inhaltsverzeichnis

  • Deutsche Bank Aktie Kurs
  • Deutsche Bank Aktie kaufen?
    • Deutsche Bank Risiko
    • Deutsche Bank Derivate
    • Deutsche Bank Crash
    • Deutsche Bank Aktie: Kurs im Visier
  • Deutsche Bank: Risiko einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung
    • Deutsche Bank: Vergleichsvorschlag von 14 Mrd. Dollar
    • Deutsche Bank Vergleich: Maximal 5,5 Mrd. Dollar?
    • Deutsche Bank: Risiko Eigenkapital
    • Deutsche Bank Risiken: Alarmglocken läuten
  • Deutsche Bank generiert „Cash“ durch Verkauf von Beteiligung
  • Fazit zu Deutsche Bank Aktie – Lehman Brothers 2.0?

Deutsche Bank Aktie Kurs

Kurzfristig ist die Volatilität der Deutsche Bank-Aktie sehr hoch. Doch was zeigt der Blick auf die längerfristige Performance? Da können wir nur hoffen, dass Sie bei dieser Aktie nicht längerfristig investiert sind. Denn auf 1-Jahres-Sicht hat sich der Kurs der Deutsche Bank-Aktie in etwa halbiert. Auf Sicht von 3 Jahren sind es gar über 60% Minus, und auf Sicht von 10 Jahren stehen über 80% Minus zu Buche (Jeweils ohne Berücksichtigung von Dividendenzahlungen). Diese Aktie ist in den vergangenen Jahren also alles andere als eine gute Geldanlage für Investoren gewesen! Es sei denn natürlich, man ist hier short gegangen bzw. hat mit Short-Zertifikaten auf die Deutsche Bank-Aktie gesetzt. Was ist nun der Hintergrund dieser absolut und relativ schlechten Performance? Denn die Performance ist nicht nur absolut gesehen schlecht – sondern auch in Bezug auf den deutschen Gesamtmarkt, gemessen am DAX. Dieser konnte z.B. auf 10-Jahressicht (wo die Deutsche Bank Aktie über 80% verloren hat) rund 75% zulegen. Zu den Hintergründen:

Deutsche Bank Aktie kaufen?

Beginnen wir bei der offiziellen Lesart der Deutschen Bank selbst zu den Kursverlusten. Da machte der Deutsche Bank-Chef John Cryan zuletzt das, was wohl jeder von uns kennt: Die Schuld erst einmal bei anderen suchen! Es seien „Spekulanten“ die für den deutlichen Kursverlust der Deutsche Bank-Aktie verantwortlich seien. In einem Artikel des „Spiegel“ wird auf einem Brief zitiert, den Cryan an die Mitarbeiter(innen) der Deutsche Bank geschrieben haben soll. In diesem Brief heißt es demnach unter anderem: „Unsere Aufgabe ist es nun dafür zu sorgen, dass diese verzerrte Außenwahrnehmung unser Tagesgeschäft nicht stärker beeinflusst." Demnach seien „Kräfte unterwegs“, die das Vertrauen in die Deutsche Bank schwächen möchten. Den kompletten lesenswerten Artikel des Spiegel zu diesem Thema finden Sie unter diesem Link: Deutsche-Bank-Chef gibt Spekulanten Schuld

Als Randbemerkung fällt auf, dass es durchaus bemerkenswert ist, dass sich der Vorstandsvorsitzende einer Geschäftsbank, die für umfangreiche Spekulationsgeschäfte bekannt ist, nun über „Spekulanten“ beklagt. Demnach sind Spekulanten also grundsätzlich gut (auch bei Grundnahrungsmitteln?) – außer, die Deutsche Bank-Aktie ist negativ davon betroffen? Wer weiß, ob John Cryan das so gemeint hat.
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Deutsche Bank Risiko

Also alles halb so wild? Es gibt eben einige „böse Spekulanten“, die den Kurs der Deutsche Bank Aktie drücken wollen, weil sie selber davon profitieren (Short-Engagements)? Aber ansonsten ist die Deutsche Bank ein solides Geldinstitut, es geht nun also „nur“ darum, dass sich die Außenwahrnehmung verbessert? Wenn es nur so einfach wäre! Denn diese zitierten „Spekulanten“ wären wohl kaum Short-Engagements in Bezug auf die Deutsche Bank-Aktie eingegangen, wenn es sich um ein grundgesundes Institut mit hoher Eigenkapitalquote handeln würde. Genau das ist nämlich nicht der Fall. Es gibt einige durchaus bezifferbare Risiken bei der Deutschen Bank Aktie. Diese belasten den Deutsche Bank Aktie Kurs – und sind nicht nur einer schlechten „Außenwahrnehmung“ geschuldet. Konkret:

Deutsche Bank Derivate

HandelsplattformHier geht es in erster Linie um das Derivate-Portfolio der Deutschen Bank. Dessen Volumen soll Medienberichten im Bereich von über 40 Billionen (!) Euro liegen. Um das einzuordnen: Das wäre deutlich höher als die gesamte Wirtschaftskraft der USA. Natürlich wird das Risiko nicht so hoch liegen, denn zahlreiche Derivate im genannten Derivate-Portfolio dürften sich vom Risiko her gegenseitig aufheben. Beispiel Long- und Short-Positionen beim selben Basiswert. Doch insgesamt dürfte immer noch ein sehr hoher Betrag beim Derivate-Portfolio der Deutschen Bank übrig bleiben. Und wer weiß, wann da in Bezug auf das Risiko die kritische Grenze überschritten wäre? Wer weiß schon, bei welchen Basiswerten netto besonders hohes Risiko für die Deutsche Bank besteht? Gerade diese Unsicherheit ist äußerst beunruhigend!

Deutsche Bank Crash

Und dies ist nicht nur für die Deutsche Bank-Aktionäre beunruhigend, sondern letztlich gefährlich für das gesamte Finanzsystem. Denn falls die Deutsche Bank zahlungsunfähig werden sollte, wäre nicht nur sie selbst betroffen. Die Größe des Derivate-Portfolios der Deutschen Bank (wie gesagt, es geht da um Billionen – also vom Volumen her um Größen, die dem Bruttoinlandsprodukt von Industriestaaten entsprechen!) zeigt, dass dann umgehend auch andere Kreditinstitute betroffen wären. Was ist mit den ganzen Gegenparteien von Derivate-Positionen, und deren Zahlungsansprüchen an die Deutsche Bank? Würden die dann leer ausgehen, und bei manchen würde dann umgehend die eigene Insolvenz drohen? Das sind Fragen, die sich derzeit einige wachsame Marktteilnehmer(innen) stellen. Und da es dazu keine Klarheit gibt, ist die Unsicherheit und damit die Nervosität eben hoch. Das „bösen Spekulanten“ in die Schuhe zu schieben, ist natürlich menschlich absolut nachvollziehbar und sollte deshalb mit Nachsicht gesehen werden. Doch beruhigend ist es natürlich nicht besonders. Denn es gibt durchaus hausgemachte Probleme bei der Deutschen Bank – und dieses beunruhigend große Derivate-Portfolio. Im Finanzjargon haben einige den Spruch gebracht, dass das Kürzel der Deutsche Bank = DB inzwischen wohl auch für „Derivate Bombe“ steht.

Deutsche Bank Aktie: Kurs im Visier

Das kann durchaus an die US-Investmentbank Lehman Brothers erinnern. Denn als die zahlungsunfähig wurden, waren auch direkt die Gegenparteien der Derivate-Positionen betroffen. Als Lehman Brothers ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen konnten, gerieten umgehend andere Finanzinstitute in Schwierigkeiten, weil die Zahlungen ausblieben. Die Folgen sind bekannt, es kam letztlich zu einer weit verbreiteten Finanzkrise, auch weil es gewisse Schneeball-Effekte gab. Eine beherrschbar sehende Insolvenz weitete sich regelrecht zu einem Flächenbrand aus. Könnte es diesmal wieder so kommen?

Deutsche Bank: Risiko einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung

Natürlich könnte es so kommen – dies ist gewiss nicht auszuschließen. Das Problem ist im Finanzsektor natürlich, dass einige Dinge zu einer „self fulfilling prophecy“ werden können. So hat zum Beispiel wahrscheinlich keine private Geschäftsbank der Welt kurzfristig genug Geld, um alle Auszahlungswünsche der eigenen Kunden sofort befriedigen zu können, wenn es zu einem „bank run“ kommen sollte. So ein „bank run“ kann dann eintreten, wenn die eigenen Kunden massive Zweifel an der Solidität der eigenen Bank bekommen und ihr Geld lieber abheben möchten. Das Problem dabei: Die Zweifel können theoretisch unbegründet sein – aber dadurch, dass die Kunden ihr Geld abheben möchten, gerät die Bank dann tatsächlich in massive Probleme. Somit kam es zu einer „sich selbst erfüllenden Prophezeiung“. Dieses Beispiel zeigt, warum gerade im Bankensektor der Faktor „Vertrauen“ besonders wichtig ist. Und es ist ja nicht nur das Derivate-Portfolio der Deutschen Bank, das beunruhigt. Es gibt weitere Risiken:

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Deutsche Bank: Vergleichsvorschlag von 14 Mrd. Dollar

Bekanntlich hat die Deutsche Bank eine Menge Prozesse am Laufen. Das ist der Nachteil, wenn man rechtlich fragwürdige Geschäfte gemacht hat, nur um einen schnellen finanziellen Vorteil zu erlangen. Beispiel fragwürdige Hypothekengeschäfte in den USA, vor der Finanzkrise 2008. Da droht der Deutschen Bank eine Klage – das US-Justizministerium hat aber der Deutschen Bank zufolge einen Vergleichsvorschlag auf den Tisch gelegt. Diese ganze Affäre könnte erledigt werden, sofern die Deutsche Bank eine Vergleichssumme zahlt. Das einzige und gewiss nicht kleine Problem – die Höhe der vom US-Justizministerium vorgeschlagenen Vergleichssumme! Denn laut Deutscher Bank fordert das US-Justizministerium dafür rund 14 Mrd. Dollar. Zum Vergleich: Die Marktkapitalisierung der Deutschen Bank liegt insgesamt bei rund 16 Mrd. Euro. Dies zeigt, in was für Größenordnungen sich dieser „erste Vorschlag“ eines Vergleichs bewegt.

Deutsche Bank Vergleich: Maximal 5,5 Mrd. Dollar?

Hier wird es nun darauf ankommen, in welcher Höhe letztlich eine Einigung zwischen US-Justizministerium und Deutscher Bank erzielt werden wird. Denn eins ist wahrscheinlich: Ein Crash der Deutsche Bank-Aktie kann nur verhindert werden, wenn die Einigung zu einer deutlich niedrigeren Summe als die genannten 14 Mrd. Dollar zustande kommt. Beträge bis zu 5,5 Mrd. Dollar gingen wohl „in Ordnung“ – denn die Deutsche Bank soll Rückstellungen in dieser Größenordnung gebildet haben. Eine Zahlung in Milliardenhöhe wäre dann wahrscheinlich kurzfristig verkraftbar – aber locker wegstecken könnte die Deutsche Bank auch das wohl kaum. Warum das so ist? Dazu der Blick auf einen weiteren Punkt:

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Deutsche Bank: Risiko Eigenkapital

gebuehrenEin Problem ist, dass die Deutsche Bank keinesfalls üppig mit Eigenkapital ausgestattet ist – wenn man auf die möglichen Zahlungen für die Rechtsstreitigkeiten blickt! Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten liegen zwar im Milliardenbereich – doch das oben genannte Beispiel zeigte, dass dies nicht reichen kann. Wie gesagt: Das US-Justizministerium nannte für einen Vergleich die Summe von 14 Mrd. Dollar (rund 12,5 Mrd. Euro). Und das ist beileibe nicht der einzige Prozess, den die Deutsche Bank führt! Manche nennen das Institut bereits eine Prozess-Maschine mit angeschlossenem Bankhaus. Und das kostet, alleine für die eigenen Rechtsabteilungen und Rechtsanwälte, von den geforderten Milliardenzahlungen ganz zu schweigen. Gleichzeitig hat die Deutsche Bank eine keineswegs besonders hohe Eigenkapitalquote.

Deutsche Bank Risiken: Alarmglocken läuten

Im Gegenteil: So hat zum Beispiel der Internationale Währungsfonds (IWF) die Deutsche Bank sinngemäß als das global tätige Bankhaus mit den größten systemischen Risiken bezeichnet. Und da kann man durchaus einmal aufhorchen. Die Deutsche Bank als das größte Risiko für das Finanzsystem? Die Deutsche Bank mit Kredit-Portfolio in Billionen-Höhe? Die Deutsche Bank sieht sich mit Forderungen in zig-Milliarden-Höhe konfrontiert, Beispiel US-Justizministerium? Kein Wunder, dass da bei einigen durchaus die Alarmglocken läuten! Immerhin – die Deutsche Bank ist auch nicht völlig untätig und steuert in manchen Bereichen dagegen. So sollen die Rechtsstreitigkeiten natürlich möglichst bald und möglichst günstig beigelegt werden. Das ist leichter gesagt als getan. Weitere Maßnahmen:

Deutsche Bank generiert „Cash“ durch Verkauf von Beteiligung

daumen_hochDie Deutsche Bank generierte zuletzt „Cash“ durch den Verkauf einer Beteiligung in Großbritannien. So wurde mitgeteilt, dass diese Beteiligungen im UK verkauft worden sind:

  •  Abbey Life Assurance Company Limited
  •  Abbey Life Trustee Services Limited
  •  Abbey Life Trust Securities Limited

Käufer ist demnach die “Phoenix Life Holdings Limited”, der Kaufpreis soll demnach 935 Mio. britische Pfund (und damit über eine Milliarde Euro nach derzeitigem Wechselkurs) betragen. Abbey Life ist bisher ein Teil der „Deutschen Asset Management“. Quelle dafür ist die Deutsche Bank selbst. Nun demnächst nicht mehr, dafür hat die Deutsche Bank rund eine Milliarde Euro mehr an „Cash“. Geld, das dringend notwendig sein könnte, um z.B. die Vergleichszahlung ans US-Justizministerium leisten zu können. Ob das ausreichen wird, wird sich zeigen! Vielleicht werden weitere Beteiligungsverkäufe in den kommenden Wochen folgen, wer weiß.

Fazit zu Deutsche Bank Aktie – Lehman Brothers 2.0?

Eins ist klar – und zwar, dass die Risiken unklar sind! Die Deutsche Bank (von einigen inzwischen bereits „Derivate Bombe“ genannt) hat ein sehr großes Derivate-Portfolio. Hier geht es um Billionen Dollar, und es ist für Außenstehende unklar, wie da die Risiken verteilt sind. Wenn dieses Derivate-Portfolio gewissermaßen explodieren sollte, dann würde das sehr wahrscheinlich weitere Finanzinstitute treffen – analog zu damals Lehman Brothers könnte sich das zu einer handfesten Finanzkrise ausweiten. Könnte, müsste aber nicht. Denn es ist auch möglich, dass die Deutsche Bank in den zahlreichen Rechtsstreitigkeiten aus ihrer Sicht zufriedenstellende und schnelle Lösungen findet. Wenn dann noch die Eigenkapitalquote aufgrund operativer Gewinne etwas gesteigert werden kann, wäre durchaus Entwarnung angesagt. Hätte, wäre – Sie sehen, hier sind die Fragezeichen groß. Und Unsicherheit mögen die Börsen bekanntlich nicht besonders. Es spricht insofern einiges dafür, dass uns das Thema „Deutsche Bank Aktie – Lehman Brothers 2.0?“ noch einige Zeit „erhalten“ bleiben wird!

Deutsche Bank Aktie - Lehman Brothers 2.0?

Klarstellung

Betrachten Sie unsere Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Bildquelle: Degiro

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Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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