EZB Sitzung ohne Überraschung

Vergangenen Donnerstag fand planmäßig eine Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) statt. Alles andere als eine weitere „Versorgung der Märkte“ mit Liquidität wäre eine Überraschung gewesen – und eine Überraschung blieb auch aus. Die EZB unter Mario Draghi möchte offensichtlich bis auf weiteres an ihrer sehr laxen Geldpolitik festhalten. Eine Änderung der Leitzinsen auch bei der nächsten Sitzung ist unwahrscheinlich. Spannender könnte es in Bezug auf die nächste Sitzung höchstens im Hinblick auf die Äußerungen des EZB-Vorsitzenden zum weiteren geplanten Kurs geben. Hier eine Einordnung der aktuellen Politik des „leichten Geldes“ – denn aus der Geschichte lässt sich durchaus einiges lernen:

Michael Vaupel

Inhaltsverzeichnis

    • Michael Vaupel
  • Wenn die eigene Währung zerstört wird…
  • Politik des leichten Geldes – keine Erfindung der Gegenwart!
    • Klarstellung

Michael Vaupel

Redakteur bei Vaupels Börsenwelt
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Die aktuelle „Politik des leichten Geldes“ ist historisch gesehen nichts Neues. Heute wie damals ist es durchaus das – selten offen genannte – Ziel, die eigene Währung zu schädigen. Denn was bedeutet ein „Inflationsziel“ anderes als das, dass die Kaufkraft der eigenen Währung sinken soll? Das gilt für die Zentralbanken, die eine solche Politik des leichten Geldes betreiben, aber durchaus auch für Regierungen. Üblicherweise ist es heutzutage so:

Wenn eine Regierung schnell eine größere Menge Geld benötigt, dann ist die Finanzierung über die Notenbank mittlerweile eine Möglichkeit. Natürlich nicht „direkt“ in dem Sinne, dass die Zentralbank das Geld druckt und der Regierung gibt. Das wäre zu plump. Es geht aber über den Umweg, dass die Regierung Staatsanleihen am Markt platziert, und diese werden dann von der Notenbank gekauft – und zwar mit selbst gedrucktem Geld. Das ist doch ein „eleganter“ Umweg…

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Wenn die eigene Währung zerstört wird…

Das ist nichts Neues: Immer wieder haben im Laufe der Geschichte haben Regierungen darauf hingearbeitet, ihr eigenes Geld sowie das Finanzsystem zu zerstören. So senkten bereits die Römer den Silbergehalt ihrer Münzen. Und auch die Chinesen, Mongolen, Franzosen, Spanier, Amerikaner sowie die Deutschen (z.B. Anfang der 1920er) zerstörten zu bestimmten Zeitpunkten ihre eigenen Währungen. Als Währungen noch mit Edelmetallen gedeckt waren, da konnten die Regierungen ihre eigenen Währungen schädigen, indem sie den Edelmetallgehalt der Münzen entsprechend senkten. Noch einfacher wurde es, als Papiergeld die Edelmetalle als Geld ersetzte. Denn dann konnten Regierungen den Wert ihrer Währung verringern, indem sie einfach immer mehr davon druckten.

Politik des leichten Geldes – keine Erfindung der Gegenwart!

Die Erfahrung lehrt uns, dass die Menschen nicht aus Erfahrung lernen. Die derzeitige Politik der EZB begann im Grunde mit der Finanzkrise des Jahres 2008. Damals begannen mehrere der großen Zentralbanken mit massivem „Gelddrucken“. Das Wort „Druck“ ist nicht wörtlich zu nehmen, denn heutzutage muss dies noch nicht einmal durch physischen Druck von Geld geschehen. Das geht gewissermaßen per Knopfdruck bei virtuellem Geld. Dies lässt sich quantitativ beziffern: Die Bilanzsumme der US-Notenbank ist seit dem Beginn der Finanzkrise (2008) bis Anfang 2013 um 220 % gestiegen. Dieser Zuwachs lag be der BoE (Bank of England) sogar bei 350%. Etwas später begann unsere Europäische Zentralbank – und erhöhte im genannten Zeitraum ihre Bilanzsumme um 98%, mithin gab es diesbezüglich eine Verdoppelung: Wohlgemerkt, das galt von 2008 bis 2013 – und diese Politik des leichten Geldes ist danach fortgesetzt worden. Und meiner Meinung nach ist es unwahrscheinlich, dass heute von der EZB eine Abkehr von dieser Politik verkündet wird. Also mal sehen, was die EZB bzw. ihr Vorsitzender Mario Draghi heute zu sagen hat.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, diese Aktien zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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