Easy Money: Lesenswertes Finanzbuch zur Geldpolitik!

Diesen Monat schaffte es zwischenzeitlich ein neues englischsprachiges Finanzbuch auf die Bestseller-Listen von Amazon USA und Amazon Großbritannien, welches ich Ihnen nur empfehlen kann.

Inhaltsverzeichnis

  • Vivek Kaul: Easy Money. Evolution of the Global Financial System to the Great Bubble Burst
  • Gold und Silber: Über Jahrtausende hinweg „reales Geld"!
  • Geldpolitik: Ein Beispiel für eine historische Analogie
  • Fazit: Pflichtlektüre zum Thema Geldpolitik
    • Klarstellung
    • Michael Vaupel

Vivek Kaul: Easy Money. Evolution of the Global Financial System to the Great Bubble Burst

Finanzbuch zur Geldpolitik

Den indischen Autor – Vivek Kaul – kenne und schätze ich seit einiger Zeit. Er ist ebenfalls Wirtschaftsjournalist und schreibt in seiner Heimat für diverse Medien wie „The Times of India“, „Business Today“, „Wealth Insight“ oder auch „The Economic Times“.

Ich schätze an ihm besonders die messerscharfen, brillanten Analysen – und dies gepaart mit einem Augenzwinkern und gewisser Ironie. Er berichtet zum Beispiel von der – frei übersetzt – „guten alten Tradition“ des Haushaltsdefizits.

Zudem gefällt mir sein Blickwinkel aus einem „Emerging Market“ – er ist schließlich Inder und kein Amerikaner. Vivek hat mir mitgeteilt, dass er eine Triologie zur Geschichte des Geldes plant.

In seinem ersten Teil – „Easy Money I“ befasste er sich mit der Geschichte des Geldes von der Antike bis ca. zum Ersten Weltkrieg.

Gold und Silber: Über Jahrtausende hinweg „reales Geld"!

Dabei wurde deutlich, dass die Edelmetalle Gold und Silber weltweit eine entscheidende Rolle gespielt haben. Noch bis zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs waren alle großen Währungen der Welt mit Gold oder Silber (zumindest teilweise) gedeckt.

Experimente, welche mit Papierwährungen durchgeführt worden waren, waren grandios gescheitert. Ob das Revolutionsgeld in Frankreich oder die Banknoten in einzelnen Bundesstaaten der späteren Vereinigten Staaten. Dort wurde übrigens zeitweise eine ganz andere „Deckung“ durchgeführt. Statt mit Gold oder Silber waren in einigen landwirtschaftlichen Staaten die Banknoten mit dem Anspruch auf Lieferung landwirtschaftlicher Güter „gedeckt“.

Nun also ist der zweite Teil = das zweite Buch seiner geplanten Triologie veröffentlicht (es ist in Englisch geschrieben, eine deutsche Übersetzung ist nicht vorgesehen).

Dieser zweite Teil = das aktuelle Buch befasst sich mit dem Zeitraum vom Ende des Ersten Weltkriegs bis zur „dotcom“-Blase und deren Platzen im Jahr 2000. Die Jahre danach werden auch angerissen.

Alles schon einmal da gewesen, ist das Gefühl, welches ich nach dem Lesen seines Buches hatte. Auch die derzeitige Situation ist so ungewöhnlich nicht.

Geldpolitik: Ein Beispiel für eine historische Analogie

Die US-Notenbank kauft US-Staatsanleihen, die Leitzinsen wurden massiv gesenkt.

Der US-Finanzminister verkündete, dass es ein reichliches Angebot an „easy money“ – leichtem Geld – gebe, was für alle Eventualitäten sorgen würde.

Beschreibt die Situation der letzten Jahre, mit QE etc., nicht wahr?

In diesem Fall nicht. Denn dies ist auch die Schilderung der Situation um das Jahr 1927 herum. Da war es ähnlich. Vivek Kaul schildert dies in seinem neuen Buch äußerst anschaulich. Und ging es gut, damals?

1927? Aber ja! Die US-Wirtschaft boomte. Auch 1928 und einen Teil des Jahres 1929 hindurch sorgte das „leichte Geld“ für einen Boom in der Realwirtschaft und besonders am Aktienmarkt.

Doch dann kam der Zahltag: Der Crash an der Wall Street (u.a. der „Schwarze Freitag“) und Weltwirtschaftskrise.

Ob es diesmal analog dazu wieder so kommen wird? An Vivek gefällt mir, dass er gerade keine eindeutigen Antworten liefert. So zitiert er in diesem Zusammenhang eine kleine Geschichte:

Ein Haus ist abgebrannt. Später fand man heraus, dass jemand mit Streichhölzern gespielt hatte. Ein Funken war auf eine Spielkarte geflogen, und diese hatte später gebrannt. Da mehrere Spielkarten daneben verteilt waren, breitete sich das Feuer über diese aus und erreichte dann die Vorhänge und das Haus brannte ab.

Es kann durchaus die Schlussfolgerung gezogen werden, dass das Haus nicht abgebrannt wäre, wenn die Spielkarten nicht auf dem Tisch verteilt gewesen wären. Aber wird die Zahl der Hausbrände dadurch verringert, wenn Spielkarten nicht auf bestimmte Weise auf einem Wohnzimmertisch verteilt werden?

Fazit: Pflichtlektüre zum Thema Geldpolitik

Ich mag es, keine eindeutigen Antworten präsentiert zu bekommen (wenn es diese nicht gibt!), sondern zum Nachdenken angeregt zu werden. Und dies versteht dieser indische Autor sehr gut. Wenn Sie zum Thema Geldpolitik gerne über den Tellerrand des Tagesgeschehens hinausschauen und historische Muster erkennen können, ist „Easy Money" das Richtige für Sie.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, dieses Buch zu kaufen. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Michael Vaupel

Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
Michael Vaupel

Letzte Artikel von Michael Vaupel (Alle anzeigen)

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.