Hessen: Kommunen sollen nicht mehr spekulieren!

Das dürfte weder den hessischen Steuerzahlern noch der hessischen Landesregierung gefallen haben:

Presseberichten zufolge musste der eigentlich solide hessische Rheingau-Taunus-Kreis Millionen-Verluste wegen der Franken-Aufwertung hinnehmen.

Inhaltsverzeichnis

  • Mehrere Kommunen haben spekuliert
  • Spekulation auf Kosten des Steuerzahlers?
  • Money- und Risiko-Management unerlässlich!
    • Klarstellung
    • Michael Vaupel

Mehrere Kommunen haben spekuliert

Und das war wohl kein Einzelfall. Hessische Kommunen haben in der Vergangenheit durchaus auch „spekuliert“ mit ihren Finanzen. Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass die Stadt Frankfurt im Jahr 2000 einen Wertpapierfonds gekauft hat, ohne Zustimmung des Parlaments.

Quelle: Hessen will Spekulationsverbot

Der Stadt brachte das einen Millionen-Verlust ein – auf eine Klage gegen den zuständigen Kämmerer wurde verzichtet.

Im Jahr 2000….das weckt Erinnerungen. 1999, Neuer Markt Hype etc. pp. Das war die Zeit, als man im Gespräch auf Partys Aktien-Empfehlungen bekam. Und, so die Legende, auch von Taxifahrern und Schuhputzern. Offensichtlich sind auch Stadtkämmerer nicht vor Gier gefeit – und würde mich nicht wundern, wenn besagter Fonds direkt Anfang 2000 gekauft worden ist. Und damit auf dem Höhepunkt der damaligen Spekulationsblase.

Spekulation auf Kosten des Steuerzahlers?

Ich persönlich finde es befremdlich, wenn mit dem Geld der Steuerzahler spekuliert wird. Und wenn es auf kommunaler Ebene dazu nicht ausreichend Regularien gibt, dann hängt die Finanzlage einer Kommune damit vielleicht auch vom Trading-Geschick eines Kämmerers oder dessen Mitarbeiter ab. Da wird mir dann doch etwas mulmig zumute.

Vor allem dann, wenn – wie wir wissen – bei manchen Instrumenten sogar mehr als der Einsatz verloren gehen kann.

Das hatten wir im Fall der Franken-Freigabe am 15. Januar gesehen: Wer da via CFDs auf die falsche Richtung gesetzt hatte, konnte wenn er Pech hatte massive Nachschusspflichten erhalten. Ich hatte berichtet, dass ein 28jähriger, welcher 2.800 Euro im CFD-Handel eingesetzt hatte, nach den massiven Kurssprüngen am 15. Januar laut Presseberichten eine Nachschusspflicht von 280.000 Euro erhielt. Dem armen Mann droht nun die Privatinsolvenz – siehe meine damalige Meldung:

Nachwirkungen der Franken-Freigabe: Privatinsolvenz für Trader!

Auch ein Broker ging Pleite: Alpari meldete nur einen Tag nach dem 15. Januar die Zahlungsunfähigkeit. ETX Capital übernahm daraufhin die Kunden von Alpari, auch dazu meine Meldung von damals:

Alpari (UK)-Kunden von ETX Capital übernommen!

Ein solches Schicksal möchte ich nicht bei hessischen oder sonstigen Kommunen sehen. Die hessische Landesregierung sieht das offensichtlich ähnlich: Einem Artikel zufolge sollen den Kommunen „spekulative Finanzgeschäfte“ untersagt werden. Genaueres derzeit noch unbekannt – das sei derzeit „im Beratungsverfahren", so zitiert der Spiegel einen Sprecher des hessischen Innenministeriums

Quelle: Spiegel-Artikel Hessen will Kommunen Währungsspekulationen verbieten

Money- und Risiko-Management unerlässlich!

Fakt ist: Trading erfordert konsequentes Money- und Risiko-Management! Das gilt für Einzel-Trader, Broker oder Kommunen. Und besonders aufgepasst bei Instrumenten wie CFDs, bei denen sich im Extremfall mehr als der eigene Einsatz verlieren lässt.

Natürlich, dazu muss es zu außergewöhnlichen Marktbewegungen kommen – aber diese kommen eben vor! Der 15. Januar hat es gezeigt: Wer hätte davor schon damit gerechnet, dass der Schweizer Franken gegenüber dem Euro an einem Tag um bis zu 30% aufwerten würde? Und genau das ist geschehen.

Bleiben Sie wachsam.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit diesem Basiswert zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Michael Vaupel

Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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