Hintergründe: Neue Nullzinspolitik der EZB

Das war eine klare Ansage der Europäischen Zentralbank (EZB) letzte Woche: Der Leitzins wird auf Null gesenkt! Damit können sich europäische Banken bei der Zentralbank „für lau“ verschulden. Ein paar Milliönchen Kredit? Bitteschön, und das kostet nicht einen einzigen Cent an Zinsen. Es gab einige weitere Maßnahmen, die von der EZB letzte Woche beschlossen worden sind. Und alle hatten die gleiche Tendenz: Sparen soll erschwert/bestraft werden, und Schuldenmachen und Geld ausgeben wird ermuntert. Ob so die richtigen Anreize gesetzt werden? Das kann natürlich durchaus in Frage gestellt werden. Hier einige Hintergründe zu diesem Thema:

Michael Vaupel

Inhaltsverzeichnis

    • Michael Vaupel
  • Der DAX reagierte sehr sprunghaft auf die jüngste EZB-Entscheidung
  • Bedenken wegen möglicher zukünftiger Inflation
    • Klarstellung

Michael Vaupel

Redakteur bei Vaupels Börsenwelt
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Zunächst einmal – was hat die EZB überhaupt beschlossen? Hier die Details der wichtigsten beschlossenen Maßnahmen:

  • Leitzins auf Null. Der Leitzins soll auf 0,0% gesenkt werden. Genau: Auf exakt Nullkommanull. Damit können sich Banken bei der EZB verschulden, ohne auch nur einen Euro Zinsen zahlen zu müssen.
  • Anleihenkaufprogramm wird aufgestockt. Die EZB kauft bereits – mit selbst gedrucktem Geld – Anleihen der Euro-Zone, hauptsächlich Staatsanleihen. Das Volumen dieser Käufe soll ab April von bisher 60 Mrd. Euro auf bis zu 80 Mrd. Euro pro Monat aufgestockt werden. Damit kommt tendenziell mehr „frisches Geld“ in Umlauf. Das ist natürlich im Gegenzug tendenziell inflationstreibend.
  • Guthaben bei der EZB werden bestraft. Die EZB möchte offensichtlich nicht, dass Banken bei ihr Geld parken. Dieses soll besser an die Wirtschaft als Kredit vergeben werden. Um dies zu forcieren, bestraft die EZB bereits Banken, die bei ihr Geld bunkern. Bisher lag dieser „Negativ-Zins“ (de facto ein Strafzins) bei -0,3%. Nun hat die EZB diesen auf -0,4% geändert, damit Banken noch weniger Anreize haben, bei der Europäischen Zentralbank Geld zu parken.

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Der DAX reagierte sehr sprunghaft auf die jüngste EZB-Entscheidung

Höchst interessant fand ich übrigens die Reaktion des DAX auf die Entscheidung der EZB letzte Woche: Nachdem der deutsche Leitindex am späten Vormittag/frühen Nachmittag im Bereich 9.750 Punkte gependelt war, schoss er nach der Bekanntgabe der Zinssenkung der EZB deutlich nach oben: Gegen 14:00 Uhr war die Marke von 9.950 Zählern erreicht. Doch dann schlug die Euphorie in Sorge um, offensichtlich überdachten da einige Marktteilnehmer mögliche gar nicht so positive Konsequenzen einer allzu lockeren Geldpolitik. Der DAX jedenfalls ging dann auf Tauchstation und fiel bis zum Ende des Xetra-Handels an diesem Handelstag auf rund 9.500 Punkte.

Bedenken wegen möglicher zukünftiger Inflation

Intraday-Schwankung von über 450 Punkten, das war doch schon etwas. Vor dem Hintergrund der möglichen Auswirkungen einer sehr laxen Geldpolitik kann ich die Bedenken vieler Markteilnehmer(innen), die zu dem Kursrückgang des DAX führten, sehr gut nachvollziehen – ich teile diese Bedenken schließlich selber. Denn während derzeit der Fokus der EZB auf „schwachem Wirtschaftswachstum und zu niedriger Inflation“ liegt, finde ich, dass eine „zu niedrige Inflation“ gar nicht so schlimm ist. Besser zu niedrig als zu hoch, denke ich mir in Bezug auf Preissteigerungen. Denn was ist, wenn die äußerst laxe Geldpolitik dazu führt, dass die Inflation eine Eigendynamik entwickelt und ihr hässliches Haupt dann verstärkt erhebt? Diese Entwicklung gilt es gerade als Anleger(in) im Blick zu behalten.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, diese Aktien zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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