Indische Zentralbank senkt überraschend die Leitzinsen!

Das beflügelte den indischen SENSEX-Index am heutigen Mittwoch: Die indische Zentralbank senkte heute morgen überraschend die Leitzinsen!

Know How: Die RBI
Die indische Zentralbank heißt RBI = Reserve Bank of India. Derzeitiger Vorsitzender der RBI ist Raghuram Rajan. Die RBI verfolgt ein Inflationsziel: Demzufolge soll die Inflation in Indien unter 8% (!) liegen.

Inhaltsverzeichnis

  • Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte
  • Niedrige Inflation und niedriges Wirtschaftswachstum als Begründung
  • Indische Zentralbank: Inflationsziel bereits erreicht
    • Klarstellung
    • Michael Vaupel

Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte

Und das ist passiert: Die sogenannte „policy repo rate“ wurde um 25 Basispunkte gesenkt, von 7,75% auf 7,5%. Das ist der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken von der RBI Geld leihen können. Auch der Leitzins „reverse repo rate“ wurde um ebenfalls 25 Basispunkte gesenkt, von 6,75% auf 6,5%.

Erst im Januar hatte die RBI die Leitzinsen um 25 Basispunkte gesenkt. Der jetzige Schritt kam überraschend – auch das ein Grund, warum die Marktteilnehmer am Aktienmarkt positiv reagierten. Der indische SENSEX-Index stieg (vor Handelsende) um rund 0,9%. Er sprang direkt bei Handelsbeginn um 345 Punkte nach oben, über den vorigen Schlussstand von rund 29.593 Punkten. Im weiteren Handelsverlauf wurde die Marke von 30.000 Punkten dann relativ schnell überschritten. Auch der indische Nifty-Index legte ähnlich stark zu.

Als Begründung für den überraschenden Zinsschritt nannte der Vorsitzende der RBI, Raghuram Rajan, dass die Inflationsrate in Indien deutlich gefallen sei – ebenso wie das Wirtschaftswachstum. Das habe den Spielraum für diese Zinssenkung eröffnet.

Niedrige Inflation und niedriges Wirtschaftswachstum als Begründung

„Niedrige Inflation“ und „niedriges Wirtschaftswachstum“ – da zeigt sich wieder einmal, wie relativ die Welt ist. Denn beide genannten Werte mag Raghuram Rajan für „niedrig“ halten – in der Euro-Zone wären beide hoch. Konkret: Die indische Inflationsrate lag offiziellen Angaben zufolge im Januar bei 5,1%. In der Euro-Zone würde dies im Hinblick auf die Inflation als untolerierbar hoch wahrgenommen werden (zumindest von mir) – in Indien ist es hingegen „niedrig“. Die RBI hat ein offizielles Inflationsziel, und die Obergrenze liegt bei 8% Inflation. Daran gemessen sind diese 5,1% in der Tat „relativ niedrig“.

Und dann das Wirtschaftswachstum. Das lag zuletzt im Bereich 5%. Erneut: In der Euro-Zone wären das glänzende Wachstumsraten, Boom, alles gut, Sonnenschein. In Indien hingegen gelten diese 5% Wirtschaftswachstum als „niedrig“. Von 2000 bis 2010 war man nämlich eher Wachstumsraten im Bereich 8% gewöhnt. Natürlich, auf Dauer können – ähnlich wie im Fall Chinas – solche Wachstumsraten in einer Welt endlicher Ressourcen sowieso nicht erzielt werden.

Indische Zentralbank: Inflationsziel bereits erreicht

Und vergessen wir nicht den Basiseffekt. Bei zunehmender Größe der gesamten Wirtschaft wird es naturgemäß schwieriger, hohe Wachstumsraten zu erzielen.

Jedenfalls kann man es auch so sehen: 5% Wirtschaftswachstum, das ist der niedrigste Wert seit Jahren. Und die indische Zentralbank hat ein formales Abkommen mit der indischen Regierung: Bis Januar 2016 soll die Inflation (Einzelhandel) unter 6% gesunken sein, bis Ende 2016/2017 auf 4%. Das erste Ziel ist erreicht – und deshalb sah die RBI offensichtlich den Spielraum für die Zinssenkung.

Eine Argumentation, der man zustimmen kann. Jedenfalls ist diese Geldpolitik Meilen entfernt von der „Politik des leichten Geldes“, welche wir derzeit bei der Bank of Japan und der EZB sehen.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit indischen Aktien zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Michael Vaupel

Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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