Megafusion? Deutsche Börse und LSE!

Das war ja eine für dieses Papier hohe Volatilität bei der Aktie der „Deutschen Börse AG“ im Februar. Knapp unter 70 Euro am 11. Februar, und am 23. Februar dann mit Sprung über die Marke von 80 Euro. Danach bröckelte der Kurs wieder ab, notierte gestern im Bereich 76 Euro. Hintergrund der Kursentwicklung waren die bekannt gewordenen Fusionspläne von Deutscher Börse AG und der Londoner Börse, der LSE (= London Stock Exchange). Hier der Blick auf einige Details:

Michael Vaupel

Inhaltsverzeichnis

    • Michael Vaupel
  • Aktionäre der Deutsche Börse AG sollen 54,4% am neuen Gemeinschaftsunternehmen halten
  • Begeisterung über geplante Fusion hat sich etwas abgekühlt
  • Einige Fragezeichen bei der anstehenden Fusion!
    • Klarstellung

Michael Vaupel

Redakteur bei Vaupels Börsenwelt
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Beide Unternehmen hatten letzte Woche bestätigt, dass es gemeinsame Gespräche über eine Fusion der beiden Börsenplatzbetreiber gebe. Das solle aber keine „Übernahme“ sein, sondern eine Fusion unter Gleichen. Die Sparten sollen deshalb bei einer Fusion auch weiterhin unter den bekannten Namen auftreten. Es solle dann aber ein gemeinsames „Board“ geben, was mit der Vorstandsebene einer deutschen Aktiengesellschaft vergleichbar ist. Board? Genau, der Firmensitz der zusammengeschlossenen Gesellschaft – wenn es denn so kommt – soll keineswegs Frankfurt sein, sondern London.

Aktionäre der Deutsche Börse AG sollen 54,4% am neuen Gemeinschaftsunternehmen halten

Und das, obwohl die Marktkapitalisierung der Deutschen Börse AG durchaus höher ist als die Marktkapitalisierung der „London Stock Exchange“. Gestern lag die Marktkapitalisierung („market cap“) der Deutsche Börse AG bei rund 15,1 Mrd. Euro (das Unternehmen hat 193 Mio. Aktien ausgegeben). Deshalb sollen die bisherigen Aktionäre der Deutsche Börse AG auch 54,4% am neuen, gemeinsamen Unternehmen halten. Wie gesagt, alles unter Vorbehalt, in trockenen Tüchern ist dies alles noch nicht!

Begeisterung über geplante Fusion hat sich etwas abgekühlt

Megafusion? Deutsche Börse und LSE!Ob dann der derzeitige Deutsche Börse-Chef Carsten Kengeter der Chef des neuen, fusionierten Unternehmens würde? Wer weiß. Der Kurs der Deutsche Börse AG-Aktie schoss nach Bekanntgabe der Pläne zunächst nach oben, übersprang die oben erwähnte Marke von 80 Euro. In den Tagen danach ging es aber wieder etwas nach unten. Inzwischen hat sich die Begeisterung der Aktionäre gewissermaßen etwas abgekühlt. In der Finanzpresse wird als eine Art abschreckendes Beispiel auf die ehemalige Hoechst AG verwiesen. Kennen Sie die auch noch, ein Teil der „Farbenaktien“ BASF, Bayer und Hoechst? Nun, die Hoechst AG ging auch eine Fusion „unter Gleichen“ ein, und zwar mit Rhone-Poulenc. Inzwischen gilt das Unternehmen aber als „französisch“, nach der Hoechst AG kräht gewissermaßen kein Hahn mehr. Ob das wohl auch der Deutsche Börse AG so gehen wird, wenn sie mit der mächtigen Londoner Börse fusioniert – und der neue Firmensitz dann London sein wird?

Einige Fragezeichen bei der anstehenden Fusion!

Abwarten. Wie gesagt, noch ist der Deal nicht in trockenen Tüchern. Und es gibt auch einige Risiken. Denn was ist zum Beispiel, wenn Großbritannien aus der Europäischen Union austritt, was als „Brexit“ ja durchaus in der Diskussion steht? Gäbe das dann Probleme, weil die beiden Handelsplätze dann nicht mehr in derselben Union liegen, und es vielleicht grenzüberschreitende Schwierigkeiten in Bezug auf Regulierung etc. gibt? Und könnten generell noch die deutschen oder britischen Behörden Bedenken anmelden, und was ist mit den Gewerkschaften? Es gilt auch, zu schauen, wie die Aktie der LSE im Vergleich zur Deutsche Börse AG bewertet ist. Und wenn es gewisse Kursabweichungen gibt vom festgelegten prozentualen Verhältnis, dann könnten diese auch für Arbitrageure interessant sein.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, diese Aktien zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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