Nachwirkungen der Franken-Freigabe: Privatinsolvenz für Trader!

Inzwischen zeigen sich noch einige äußerst unangenehme Nachwirkungen des „Paukenschlags“ vom 15. Januar.

Sie erinnern sich vielleicht: An diesem Tag hatte die Schweizerische Nationalbank (SNB) völlig überraschend bekanntgegeben, dass sie den bis dahin geltenden Mindestkurs des Schweizer Franken zum Euro von 1,20 nicht mehr verteidigen würde.

Daraufhin brach der Kurs des Euros gegenüber Franken innerhalb kurzer Zeit ein, von 1,20 aus hieß es zeitweise 30% Minus.

Das führte nicht überraschend auch via Intermarket-Handel zu Turbulenzen, und daraufhin verlor der Schweizer Aktienmarkt am 15. Januar zeitweise bis zu 14%.

Ich hatte mir angeschaut, wie die Broker auf diese Entwicklung reagierten. Und da war mir z.B. Swissquote aufgefallen. Diese hatten einen Tag nach dem „Crash“ vom 15. Januar mitgeteilt, dass sie Rückstellungen in Höhe von 25 Mio. Schweizer Franken aktivieren werden. Es hieß wörtlich in einer Meldung von Swissquote, dass viele Kunden auf die „von der SNB regelmäßig bestätigte Strategie“ gesetzt hätten und auf einen gegenüber dem Franken steigenden Euro gewettet hätten.

Ich hatte darüber berichtet, siehe folgender Link:

CHF-Freigabe: Swissquote aktiviert Rückstellungen

Da wurde ich damals schon hellhörig.

Denn die Aktivierung der Rückstellung erfolgte damals laut Swissquote, da die Franken-Freigabe „bei den Kunden ein Minussaldo verursacht und die Bank veranlasst hab, eine Rückstellung von 25 Mio. CHF zu aktivieren.“

Eigentlich müssen die Kunden ihr Minus selbst ausgleichen – Stichwort Nachschusspflicht.

Inhaltsverzeichnis

  • Wenn die Nachschusspflicht zur Privatinsolvenz führt
  • CFDs: Bitte unbedingt die Risiken kennen und diese begrenzt halten!
    • Klarstellung
    • Michael Vaupel

Wenn die Nachschusspflicht zur Privatinsolvenz führt

Da die Swissquote Rücklagen aktivierte, sprach das dafür, dass einige Kunden das nicht konnten.

Und in der Tat – das war ganz offensichtlich so. Der Spiegel berichtet gerade von einem dieser Fälle:

Demnach hat ein 26jähriger Ingenieur mit CFDs getradet, auf eine Abschwächung des Franken gegenüber dem Euro. Sein Einsatz: Dem Artikel zufolge rund 2.800 Euro.

Quelle: Spiegel

Der junge Mann steht nun offensichtlich vor dem finanziellen Ruin: Die Nachschusspflicht beläuft sich dem Artikel zufolge auf satte 280.000 Euro.

Der Trader hatte wahrscheinlich mit einem Hebel von 1:400 getradet – so bewegte er mit 2.800 Euro über 1,1 Mio. Euro. So konnte die Kursveränderung von mehr als 25% in die falsche Richtung die genannte Nachschusspflicht generieren.

CFDs: Bitte unbedingt die Risiken kennen und diese begrenzt halten!

Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich dafür warnen, via CFDs so hohe Hebel zu handeln. Sie müssen Ihre Risiken strikt begrenzen und vernünftiges Money-Management betreiben. Auch extrem unwahrscheinliche Ereignisse wie die Franken-Freigabe kommen eben vor – wie wir gesehen haben. Und anders als z.B. im Handel mit Zertifikaten, bei denen es keine Nachschusspflicht gibt, können Sie im CFD-Handel eben auch mehr als Ihren Einsatz verlieren.

Bitte nutzen Sie diese Instrumente nur dann, wenn Sie sich genau auskennen damit und auch dann mit striktem Money Management. Sie können sich auch nicht darauf verlassen, dass Sie im Bedarfsfall zügig aussteigen können – wie im Fall der Franken-Freigabe kann mitunter minuten- oder sogar stundenlang keine Ausführung möglich sein.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und bestimmt keine Aufforderung an Sie, CFDs zu traden. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Michael Vaupel

Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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