Solarworld schreibt wieder schwarze Zahlen

Das dürfte einige überrascht haben:

Die Solarworld AG hat es in der Tat geschafft, im Geschäftsjahr 2014 beim EBITDA wieder eine schwarze Zahl zu schreiben. Das Plus (bereinigt um Sonderfaktoren) war zwar mit 2 Mio. Euro relativ gering – aber immerhin, ein Plus.

EBITDA steht für „Earnings Before Interests, Taxes, Depreciation and Amortisation“. Das EBITDA gibt an, wie hoch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ist. Zinszahlungen oder Veränderungen der Steuern spielen hier also nicht mit hinein. Deshalb ist es eine wichtige Kennzahl, um zu sehen, wie sich ein Unternehmen im Kerngeschäft (operativen Geschäft) entwickelt.

Inhaltsverzeichnis

  • Die Solarworld AG vermeldete diese Geschäftszahlen für 2014:
  • Wie kommen diese hohen „Sonderfaktoren“ zustande?
  • 556 Mio. Euro weniger Schulden wegen „Schuldenschnitt"
    • Klarstellung
    • Michael Vaupel

Die Solarworld AG vermeldete diese Geschäftszahlen für 2014:

  • Der Umsatz kletterte um 26% auf 573 Mio. Euro (2013: 456 Mio. Euro).
  • EBITDA von -147 Mio. Euro auf +2 Mio. Euro
  • EBIT stieg von -189 Mio. Euro im Jahr 2013 auf -43 Mio. Euro.

Es gab im letzten Jahr diverse „Sonderfaktoren“. Ich schaue mir bevorzugt die Zahlen an, bei denen diese Sonderfaktoren herausgerechnet sind. Das ist bei den gerade genannten Zahlen der Fall.

Um zu sehen, dass dies einen gewaltigen Unterschied machen kann, hier der Vergleich mit den „unbereinigten Zahlen“:

Unbereinigt lag das EBIT 2014 bei +64 Mio. Euro, bereinigt (siehe oben) bei -43 Mio. Euro.

Ein Unterschied von rund 107 Mio. Euro…

Wie kommen diese hohen „Sonderfaktoren“ zustande?

Hier verweist Solarworld unter anderem auf die Übernahme der Bosch Solar Energy. Diesen Photovoltaik-Zweig von Bosch hatte Solarworld zu sehr günstigen Konditionen übernommen. Die Fabrikanlagen erhielt man – geschenkt. Mehr als das: Bosch soll sogar eine Mitgift gegeben haben. Voraussetzung für Bosch war, dass der Betrieb weitergeführt wird und die Mitarbeiter nicht auf der Straße stehen. Das ließ sich Bosch einiges kosten. Das nenne ich mal verantwortungsbewusstes Management – meinen Respekt!

Für Solarworld hatte das den Vorteil, dass die übernommenen Vermögenswerte der Bosch Solar Energy in der Bilanz aktiviert wurden – und das war ein „Sondereffekt“. Denn auf einmal stehen Aktiva in der Bilanz, die es sozusagen geschenkt gab. Diese „Sonderfaktoren“ waren in dem Fall also erheblich positiv.

Es gab weitere Sonderfaktoren, wie Wertberichtigungen aus neu verhandelten Lieferverträgen.

Beim Ergebnis vor Steuern (EBT) gab es einen riesigen Sprung, von -265 Mio. Euro auf +574 Mio. Euro.

556 Mio. Euro weniger Schulden wegen „Schuldenschnitt"

Doch bevor sich die Solarworld-Aktionäre zu sehr freuen: Das war der „Umstrukturierung“ zu verdanken. Dies ist ein Euphemismus für „Schuldenschnitt“.

Solarworld-Gläubiger verzichteten auf einen Großteil ihrer Forderungen. Insgesamt fielen so laut Angabe von Solarworld Schulden in Höhe von 556 Mio. Euro weg. Ein gewaltiger „Sonderfaktor“.

Sie sehen: Durchaus irreführend, wenn Sie die Geschäftszahlen von Solarworld „unbereinigt“ anschauen würden!

Insgesamt sieht es durchaus gut aus. Beim EBITDA ein kleines Plus. Klappt das auch beim EBIT? Dies muss Solarworld noch beweisen – laut Management soll es in diesem Jahr soweit sein (positives EBIT).

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit diesem Basiswert zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Michael Vaupel

Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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