Tesla-Aktie weiter abwärts?

Probleme mit Bitcoin-Fonds?Die Tesla-Aktie war bekanntlich jahrelang ein Liebling vieler Anleger(innen). Doch seit Ende Februar ist das Papier kräftig unter die Räder gekommen. Notierte die Tesla-Aktie Ende Februar zwischenzeitlich noch über 350 Dollar, so ging sie mit 266,16 Dollar in die Oster-Pause (Schlusskurs Nasdaq). Ein Minus von rund 24% gegenüber den genannten 350 Dollar – ein herber Verlust für einen so relativ kurzen Zeitraum. Es gibt einige Gründe, die für diesen Kursrückgang genannt werden können. Genau darum soll es in diesem Beitrag gehen. Die Zeiten, in denen es alleine in den ersten drei Tagen der Reservierungsmöglichkeit für das „Model 3“ rund 276.000 Reservierungen gab, wirken weit entfernt. Doch wird jetzt vielleicht in Bezug auf die Risiken übertrieben, so wie in früheren Zeiten bei der Tesla-Aktie vielleicht im Hinblick auf Chancen übertrieben worden ist? Am besten nehmen wir Tesla inklusive der Kennzahlen genauer unter die Lupe. Zu den Details:

 

  1. Tesla: Aktuell rund 45 Mrd. Dollar Marktkapitalisierung
  2. Tesla: Hat das Model 3 auf die Margen gedrückt?
  3. Hoher Verlust pro Aktie im vierten Quartal 2017
  4. Fazit: Tesla-Aktie weiter abwärts? (4/2018)

Inhaltsverzeichnis

  • Tödlicher Unfall mit einem Tesla Model X im März
    • Tesla: Aktuell rund 45 Mrd. Dollar Marktkapitalisierung
    • Tesla: Hat der Autopolitik korrekt funktioniert?
    • Tesla: Die Zahlen zum vierten Quartal 2017
    • Eckdaten Geschäftszahlen zum vierten Quartal 2017
    • Michael Vaupel
    • Tesla: Hat das Model 3 auf die Margen gedrückt?
    • Tesla: Leasing mittlerweile ein signifikanter Faktor
    • Wieso fiel die Brutto-Marge im Bereich Energie?
    • Tesla: Ausblick auf 2018
    • Tesla: Wie entwickelten sich die Auslieferungen im vierten Quartal 2017?
    •  Hoher Verlust pro Aktie im vierten Quartal 2017
    • Tesla: Über 3 Mrd. Dollar an liquiden Mitteln
    • Fazit: Tesla-Aktie weiter abwärts? (4/2018):

Tödlicher Unfall mit einem Tesla Model X im März

Die Nachrichtenlage bei Tesla war in den vergangenen Wochen nicht gerade gut. So war Tesla nicht nur in der Finanzpresse, sondern auch in breiteren Nachrichten im März: Denn es gab zwei Unfälle mit Tesla-Fahrzeugen. Einer davon verlief sogar tödlich. Und laut Fokus Money Online hat dies sogar die US-Verkehrsbehörde „National Transportation Safety Board „auf den Plan gerufen, die Tesla nun genauer unter die Lupe nehmen wird.“

Quelle: „14 Milliarden Dollar Wertverlust: Warum Anleger aus der Tesla-Aktie fliehen“, online abrufbar unter diesem Link

Jetzt bei Degiro anmelden: www.degiro.de

Tesla: Aktuell rund 45 Mrd. Dollar Marktkapitalisierung

In dem verlinkten Beitrag ist die Rede von „14 Milliarden Dollar Wertverlust“. Damit ist die Tatsache gemeint, dass die Marktkapitalisierung von Tesla in diesem Umfang eingedampft ist. Unter Marktkapitalisierung versteht man den Wert, der sich durch die Multiplikation des Kurses mit der Gesamtzahl der Aktien ergibt. Und da es knapp 169 Mio. Tesla-Aktien gibt, lässt sich so errechnen, wie stark die Marktkapitalisierung der vergangenen Wochen zurückgegangen ist – das hängt natürlich vom jeweiligen Stichtag ab – aber die Größenordnung von 14 Mrd. Dollar ist definitiv eine Größenordnung, die aufhorchen lässt. Per Stand Handelsschluss vor der Osterpause hatte Tesla eine Marktkapitalisierung von rund 45 Mrd. Dollar.

Tesla: Hat der Autopolitik korrekt funktioniert?

ChecklisteDer oben genannte Unfall mit tödlichem Ausgang für den Fahrer hat offenbar auch deshalb Investoren aufgeschreckt, weil dies Zweifel an der Zuverlässigkeit des Autopiloten im entsprechenden Tesla (es soll ein Model X gewesen sein). Laut einem Heise-Artikel dazu sei der Autopilot eingeschaltet gewesen – der Fahrer habe aber nicht reagiert. Falls dies zutrifft, dann wäre der Grund des Unfalls wohl keine Fehlfunktion des Autopiloten gewesen. Doch solange es Unsicherheit dazu gibt bzw. gab, ist es nachvollziehbar, dass der Aktienkurs fiel. Denn eine möglicherweise befürchtete Rückrufaktion könnte sehr teuer werden und auch am Image von Tesla kratzen. Und laut „The Wall Street Journal“ (siehe dieser Link) ermittelt das bereits vorher im Beitrag genannte National Transportation Safety Board diesbezüglich. Laut der Zeitung soll es bereits 2016 zu Fragen im Hinblick auf den Autopiloten von Tesla gekommen sein, als es einen Unfall gegeben hatte.

Quelle zum Bericht über den Unfall: Artikel „Tesla-Crash: Autopilot war eingeschaltet, aber Fahrer hat nicht reagiert“, online abrufbar unter diesem Link

Tesla: Die Zahlen zum vierten Quartal 2017

Ein Problem von Tesla ist es auch weiterhin, dass das Unternehmen rote Zahlen schreibt. Die jüngsten Zahlen sind die zum vierten Quartal 2017. Da sind dann auch schon Zahlen zu Produktion und Auslieferung des Hoffnungsträgers „Model 3“ drin. Wie sahen denn die Zahlen zum vierten Quartal 2017 aus? Hier der Blick auf einige Eckdaten, Quelle der folgenden Zahlen sind die Angaben von Tesla:

Jetzt bei Degiro anmelden: www.degiro.de

Eckdaten Geschäftszahlen zum vierten Quartal 2017

Im vierten Quartal 2017 erzielte Tesla im Bereich Automobile demnach einen Umsatz von rund 2,7 Mrd. Dollar. Im Vergleich zu den großen der Branche (Beispiel Daimler) sind das natürlich eher geringe Summen – aber das Wachstum ist dafür bei Tesla äußerst bemerkenswert. Zum Vergleich: Im Vorjahresquartal lagen die Umsätze bei Tesla im Bereich Automobile bei rund 1,99 Mrd. Dollar. Gegenüber dem Vorjahresquartal errechnet sich damit ein Anstieg von 36%. Gegenüber dem Wert des Vorquartals (ca. 2,36 Mrd. Dollar) entspricht das einem Plus von rund 14%. So weit, so gut. Doch der Blick auf die Brutto-Marge im Bereich Automobile (gemäß US-Rechnungslegungsvorschrift GAAP) ist im Vergleich zum Vorjahresquartal deutlich gesunken, und zwar von 22,6% auf 18,9%. Diese 18,9% sind zwar ein Anstieg gegenüber dem Wert des Vorquartals (18,3%), aber dennoch ist der deutliche Rückgang bei der Brutto-Marge alles andere als erfreulich. Zumal dann, da Tesla ohnehin rote Zahlen schreibt.

Michael Vaupel

Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
Michael Vaupel

Letzte Artikel von Michael Vaupel (Alle anzeigen)

Tesla: Hat das Model 3 auf die Margen gedrückt?

Was waren die Gründe für den Rückgang der Brutto-Marge? Tesla nennt dazu die langsamer als erwarteten Start beim Hoffnungsträger „Model 3“. Die Produktion sei noch sozusagen am Anfang gewesen – aber die Produktionskosten und Abschreibungen würden sich bereits voll auswirken. Das hätte einen negativen Einfluss auf die Margen gehabt. Für das Model wird für das erste Quartal 2018 eine negative Brutto-Marge erwartet, obwohl insgesamt ein positiver Cash Flow im operativen Bereich in dem Zeitraum prognostiziert wird. Ob das beides realistisch ist, wird sich zeigen. 

Tesla: Leasing mittlerweile ein signifikanter Faktor

VerbrauchertippsEin interessantes Detail: Rund 23% der Auslieferungen im vierten Quartal 2017 sollen Leasing Verträge betroffen haben, dieser Anteil soll damit etwas höher als im dritten Quartal 2017 gewesen sein. Zu den Umsätzen kamen rund 298 Mio. Dollar Umsätze im Bereich Energie hinzu – da geht es um die Gewinnung und Speicherung von Energie. Es ist eine relativ neue Entwicklung bei Tesla, dass dieses Segment höhere Umsätze einfährt, so waren diese im Vorjahresquartal noch weniger als halb so hoch (ca. 131,39 Mio. Dollar). Hier gibt es also starkes Wachstum auf noch relativ niedrigem Niveau. So lag der Umsatzanstieg im Vergleich zum Vorjahresquartal bei beachtlichen 127%. Allerdings: Im Vergleich zum Vorquartal mit ca. 317,5 Mio. Dollar Umsatz kam es zu einem Rückgang des Umsatzes von rund 6%.

Wieso fiel die Brutto-Marge im Bereich Energie?

Die Brutto-Marge im Bereich Energie sprang in den vergangenen 12 Monaten den Zahlen zufolge recht wild. Von 2,7% im vierten Quartal 2016 über 25,3% im dritten Quartal 2017 auf 5,5% im vierten Quartal 2017. Tesla selbst erläutert den Rückgang der Umsätze dieses Unternehmensbereichs im Vergleich zum dritten Quartal 2017 mit saisonalen Einflussfaktoren (Solar-Anlagen). Zudem habe man sich auf mehr profitable Bereiche konzentriert. Diese Erklärung steht allerdings in einem gewissen Gegensatz zur Entwicklung der Brutto-Marge, denn diese lag den Zahlen zufolge im dritten Quartal 2017 bei 25,3% und sank im vierten Quartal 2017 auf 5,5%. Wenn die Fokussierung auf profitablere Geschäfte zu einem Rückgang der Brutto-Marge führt, dann klingt das nicht zwangsläufig sehr überzeugend. Doch Tesla nannte auch weitere Erklärungen dazu. So habe es „Einmal-Faktoren“ gegeben und es habe diverse Abschreibungen in Bezug auf Verpflichtungen gegeben, zu denen sich Tesla vor der Übernahme von SolarCity verpflichtet habe. Auch habe es einmalige Luftfrachtkosten für ein Batterie-Projekt in Südaustralien gegeben, so Tesla. Das hat wohl auf die Brutto-Marge gedrückt. 

Jetzt bei Degiro anmelden: www.degiro.de

Tesla: Ausblick auf 2018

Für das laufende Geschäftsjahr prognostiziert Tesla einen signifikanten Anstieg der Brutto-Marge im Bereich Energie. Die im vorigen Abschnitt genannten Einmal-Belastungen in diesem Geschäftsbereich dürften wegfallen (wer weiß, was für neue es dafür geben wird?). Tesla verweist auf Verbesserungen im Bereich Kosten-Effizienz und auch auf die Entwicklung von kommerziellen Projekten höherer Qualität, was immer das auch sein mag. Letztlich gilt es aber zu beachten, dass der Bereich Energie bei Tesla weiterhin nur eine Art „ferner liefen“ ist – die Phantasie und damit die Chancen, aber auch die Risiken kommen derzeit aus dem Bereich Automobile und da wiederum sind die Erwartungen gerade im Hinblick auf das Model 3 bei einigen Marktteilnehmern wahrscheinlich relativ hoch.

Tesla: Wie entwickelten sich die Auslieferungen im vierten Quartal 2017?

Die Zahl der Auslieferungen stieg bei Tesla im vierten Quartal 2017 gegenüber dem Vorjahresquartal um 28%. Auch im Vergleich zum Vorquartal (Rekordwert im dritten Quartal 2017) gab es demnach einen Anstieg, und zwar von 10%. Hier fällt auf, dass die Umsätze im Vergleich zum Vorjahresquartal stärker stiegen (+36%) als die Zahl der Auslieferungen (+28%). Dies lässt darauf schließen, dass von Tesla im vierten Quartal 2017 tendenziell höherpreisigere Wagen verkauft worden sind. Alternativ konnten signifikante Preissteigerungen durchgesetzt werden. Was die Aufgliederung der Auslieferungen nach Modellen betrifft, da nannte Tesla die Zahl von 28.425 Fahrzeugen von Model S und Model X sowie 1.542 Fahrzeugen des neuen Model 3. Zusammen waren das demnach 29.967 Fahrzeuge, die im vierten Quartal 2017 ausgeliefert worden sind.

Quelle: Tesla Fourth Quarter & Full Year 2017 Update

 Hoher Verlust pro Aktie im vierten Quartal 2017

Unter dem Strich gab es bei Tesla auch im vierten Quartal 2017 wieder tiefrote Zahlen. Konkret: Demnach lag der Verlust pro Aktie bei Tesla im vierten Quartal 2017 bei beachtlichen 4,01 Dollar. Das war auch noch eine Verschlechterung gegenüber dem Wert des Vorquartals (minus von 3,70 Dollar je Tesla-Aktie). Und gegenüber dem Wert des Vorjahresquartals (= Q4 2017) war es eine noch deutlichere Verschlechterung, denn da hatte der Verlust je Tesla-Aktie bei „nur“ 0,78 Dollar gelegen. Es wurde also wieder Geld verbrannt – oder „konsumiert“, wie es Tesla formulierte. Insgesamt erreicht der Netto-Verlust bei Tesla im vierten Quartal 2017 die Höhe von rund 770,8 Mio. Dollar. Das lag erheblich über den ca. 219,5 Mio. Dollar Netto-Verlust, die Tesla im vierten Quartal 2016 (= Vorjahresquartal) erzielt hatte). 

Tesla: Über 3 Mrd. Dollar an liquiden Mitteln

So hohe Netto-Verluste sind eine gewisse Zeitlang tragbar, so lange die Cash-Bestände recht hoch sind. Und zum Ende des Jahres 2018 waren sie das laut Tesla: Denn da sollen sie laut Unternehmensangaben ca. 3,37 Mrd. Dollar betragen haben. Es gilt allerdings die Binsenweisheit zu beachten, dass auch ein großer Berg an „Cash“ irgendwann weg ist, wenn Quartal für Quartal Netto-Verluste geschrieben werden und liquide Mittel netto abfließen. Bisher war es für Tesla kein größeres Problem, z.B. durch die Emission von Anleihen frische finanzielle Mittel am Kapitalmarkt zu erhalten. Da geht es dann auch mal um Emissions-Volumina von mehr als einer Milliarde. Die Platzierung solcher Anleihen hat bisher geklappt – wahrscheinlich deshalb, weil die Investoren davon überzeugt waren, dass sie ihr Geld wiedersehen. Doch was ist, wenn Tesla auch 2018 weiterhin tiefrote Zahlen schreiben wird? Die recht hohen Cash-Bestände reichen natürlich eine Zeitlang, doch eine wichtige „Währung“ ist auch das Vertrauen der Anleger(innen), und wie der Kursrückgang der vergangenen Wochen zeigt, kann es gerade dabei zuletzt zu Fragezeichen gekommen sein.

Fazit: Tesla-Aktie weiter abwärts? (4/2018):

Bei Tesla geht es neben den „harten Fakten“ derzeit auch um weiche Faktoren – Stichwort Vertrauen. Wird der Unfall mit tödlichem Ausgang, den es zuletzt gab, zu Zurückhaltung bei potenziellen Käufern von Tesla-Fahrzeugen führen? Wenn Zweifel an der Verlässlichkeit des Autopiloten bestehen, dann wäre es absolut nachvollziehbar, wenn sich potenzielle Käufer(innen) erst einmal zurückhalten, um die Entwicklung abzuwarten. Doch Tesla setzt Hoffnung in gute Verkaufszahlen des Model 3, was dann auch die Brutto-Marge wieder erhöhen soll und das Minus gemessen am Netto-Verlust zumindest deutlich verkleinern soll. Einiges könnte auch davon abhängen, was die US-Verkehrsbehörde „National Transportation Safety Board“ zu dem Fall zu sagen hat. Angesichts der Risiken und der Tatsache, dass Tesla im vorigen Quartal die Netto-Verluste noch vergrößert hat, finde ich es angemessen, dass dies „eingepreist“ wird und der Kurs der Aktie entsprechend zurückgekommen ist. Ich halte Tesla grundsätzlich für ein beeindruckendes Unternehmen, doch der Blick auf die harten Zahlen fällt recht ernüchternd aus. Und in ein fallendes Messer zu greifen (= Kauf der Tesla-Aktien in die Korrektur hinein) ist natürlich riskant.

Jetzt bei Degiro anmelden: www.degiro.de

Klarstellung

Betrachten Sie unsere Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Stand der Konditionen: April 2018

Bildquelle: pixabay.com

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.