Aktuelle Entwicklungen am ETF-Markt

Gerade habe ich mir angeschaut, wie sich zuletzt die Zu- und Abflüsse bei ETFs entwickelt haben. Interessanterweise habe ich da gerade im Bereich Anleihen ETFs in einigen Sub-Sektoren eine Trendwende feststellen können. Zu den Details:

Besonders bei den ETFs auf deutsche Staatsanleihen fiel mir auf, dass es da einen „Turnaround“ gab: Im März waren fast 300 Mio. Euro netto abgeflossen – und im April gab es dann netto einen Zufluss von 128 Mio. Euro. Damit waren deutsche Staatsanleihen trotz historisch niedrigem Zinsniveau im April offensichtlich wieder deutlich beliebter bei den Anlegern. Bzw. genauer gesagt – nicht deutsche Staatsanleihen, sondern ETFs auf deutsche Staatsanleihen. (Quelle der Zahlen dieses Beitrags: Lyxor ETF, Bloomberg)

ETFs und Zu-/Abflüsse
Bei ETFs kann sich der Blick auf die Netto-Zuflüsse bzw. Netto-Abflüsse lohnen, um aktuelle Trends besser einschätzen zu können. Die Netto-Zuflüsse/Netto-Abflüsse errechnen sich, indem von den Zuflüssen die Abflüsse abgezogen werden. Wenn unter dem Strich ein positiver Wert verbleibt, handelt es sich um einen Netto-Zufluss. Wenn als Saldo ein Minus bleibt, gab es einen Netto-Abfluss. Insbesondere aus einem Vergleich dieser Werte im Zeitablauf können sich interessante Rückschlüsse ziehen lassen.

Eine ähnliche Tendenz gab es auch bei ETFs auf Anleihen von Schwellenländern („Emerging Markets“): Während es da im März ebenfalls Netto-Abflüsse gab, wurden im April vergleichsweise hohe Netto-Zuflüsse (+268 Mio. Euro) verzeichnet.

Anleihen ETFs im April generell gefragt

Generell lässt sich festhalten, dass Anleihen ETFs im April recht gefragt waren. Das galt auch für ETFs auf US-Anleihen. Und bei ETFs auf europäische Anleihen insgesamt lagen die Netto-Zuflüsse im April bei satten 1,0 Milliarden Euro. Das war zwar ein gewisser Rückgang gegenüber dem Vormonat, aber immer noch der dritthöchste Wert der letzten 12 Monate.

Wahrscheinlich geht es den Käufern von ETFs auf deutsche Staatsanleihen weniger um Rendite (welche Rendite?), sondern um Kapitalerhalt. Und dann nehmen ETFs auf deutsche Staatsanleihen eine wichtige Rolle dabei ein. In dieser Situation wäre ein Direktinvestment allerdings evtl. dennoch die bessere Wahl, um die Gebühren zu sparen.

Allerdings sind dabei derart viele Faktoren zu berücksichtigen, insbesondere die individuelle Situation des Anlegers, dass sich dazu keine pauschalen Empfehlungen geben lassen.

Achten Sie auch bei ETFs auf die Gebühren

Was ich Ihnen aber durchaus klar raten kann: Werfen Sie eignen genauen Blick auf die Gebühren pro Jahr, wenn Sie einen Fonds kaufen sollten. Die Gebühren sind unabhängig vom aktuellen Zinsniveau. Das heißt, sinken die Zinsen, dann sinken die Gebühren nicht mit (das gilt natürlich auch bei steigenden Zinsen). Sie bleiben auf dem Niveau. Wenn der Fonds allerdings keine bzw. nur minimale Rendite mit Zinsen erwirtschaften kann, dann fressen die Gebühren die Zinserträge auf.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Es handelt sich hier nur um meine rein subjektive Einschätzung. Keinesfalls sollten Sie lediglich aufgrund dieses Artikels eine Handelsentscheidung treffen. Sie ganz allein sind für Ihre Geldanlage verantwortlich.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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