Gold: Der Blick auf die Fundamentaldaten

Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen einen Teil seiner seit Jahresbeginn erzielten Gewinne wieder abgegeben. Auf Sicht von 3 Monaten heißt es nun nahezu „plus/minus Null“ – im Vergleich zum Ultimo 2015 sind es auf Dollar-Basis aber immerhin noch rund 15% Plus. Unabhängig von den Tagesschwankungen möchte ich in diesem Beitrag einmal auf gewissermaßen das „große Bild“ schauen, sprich die Fundamentaldaten bei Gold. Dazu ein Überblick:

Inhaltsverzeichnis

  • Gold: Zahlen des WGC für 2015
    • Gold 2015: Die Verteilung der Nachfrage
  • Barrick Gold: 2016 geringere Produktion – geringere Förderkosten?
    • Klarstellung

Gold: Zahlen des WGC für 2015

Wie sehen denn die Zahlen für 2015 aus (denn die liegen inzwischen vor)? Ich berufe mich für die Angaben auf das letzte Jahr auf Zahlen des WGC (= World Gold Council), in dieser Organisation sind rund 20 Goldminen-Gesellschaften organisiert. Der WGC kann deshalb durchaus auf Daten dieser „Gold-Insider“ zurückgreifen und bietet deshalb durchaus realistische Zahlen – allerdings sollten wir uns bewusst sein, dass es sich im Grunde um eine Lobby-Organisation der Goldminen-Industrie handelt. Unter diesen Einschränkungen nun die Zahlen für 2015:

Insgesamt ist die Nachfrage nach Gold im letzten Jahr von 4.226 Tonnen auf 4.212 Tonnen gesunken. Dabei verlief die Entwicklung in den diversen Sektoren recht unterschiedlich:

Gold 2015: Die Verteilung der Nachfrage

  • Die Schmuckindustrie fragte demnach rund 3% weniger nach, nämlich 2.415 Tonnen und machte damit wieder einen Großteil der gesamten Nachfrage aus
  • Die Nachfrage der Notenbanken blieb mit rund 588 Tonnen ziemlich stabil. Hier sollen Russland und China eher auf der Käuferseite gestanden haben.
  • Der Technologiesektor fragte rund 5% weniger nach, insgesamt 331 Tonnen.
  • Wieso hielt sich die gesamte Nachfrage dennoch relativ stabil? Deshalb: Die Nachfrage nach Gold zu Investmentzwecken stieg, und zwar um rund 8% auf 878 Tonnen.

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Interessant finde ich die Entwicklung im vierten Quartal, die mir aufgefallen ist. Denn da gab es einige vom Trend des Gesamtjahres abweichende Entwicklungen. Konkret: Das weltweite Angebot an Gold sank im vierten Quartal um 1,4% auf 1.037,1 Tonnen – während es bei der Nachfrage einen Zuwachs von 4,4% auf 1.117,7 Tonnen gab. Mit anderen Worten: Im vierten Quartal überstieg die Nachfrage das Angebot an Gold um mehr als 80 Tonnen. Das ist tendenziell bullish. Wenn die Goldnachfrage im Gesamtjahr 2015 gesunken ist, aber im vierten Quartal stieg – wer war dafür verantwortlich? Diese Stellen: Die Notenbanken stockten im vierten Quartal 2015 ihre Goldreserven um 167,2 Tonnen auf (+24,9%!). Und dann die private Nachfrage: Im vierten Quartal 2015 wurde Gold von Anlegerseite in physischer Form in Form von Goldbarren und Goldmünzen verstärkt nachgefragt. Die entsprechende Nachfrage lag bei 194,6 Tonnen. Zum Vergleich: Im vierten Quartal 2014 waren es 169,3 Tonnen. Das war ein Zuwachs im Jahresvergleich von rund 15%.

Barrick Gold: 2016 geringere Produktion – geringere Förderkosten?

Nun ein konkretes Beispiel – der große Goldminenbetreiber Barrick Gold. Laut Societe Generale hat dieser Goldminen-Riese im letzten Jahr 6,12 Mio. Unzen Gold gefördert, bei Kosten von 831 Dollar je Unze. Das war günstig, denn zuvor hatte Barrick Gold Produktionskosten von 830-870 Dollar je Unze prognostiziert. Und 2016? Da sollen es weniger werden – aber immerhin beachtliche 5 bis 5,5 Mio. Unzen Gold, zu niedrigeren Produktionskosten (775-825 Dollar je Feinunze). Die Produktionskosten sollen bis 2019 sogar auf oder unter 700 Dollar je Feinunze fallen.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, diese Aktien zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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