Griechenland-Referendum: Und jetzt?

Gestern fand in Griechenland bekanntlich ein Referendum statt, in welchem es grob gesagt darum ging, ob die Sparvorgaben der Europäischen Union durchgeführt werden sollen. Bevor ich auf das Ergebnis geschaut habe, habe ich darüber nachgedacht: Wie würde das Volk wohl in Deutschland abstimmen, wenn es gefragt würde, ob es Einsparungen in Höhe von 7% des Bruttoinlandsproduktes durchführen soll?

Inhaltsverzeichnis

  • Es wäre eine Überraschung, wenn eine Bevölkerung freiwillig für Sparvorgaben von Ausländern stimmt
    • Michael Vaupel
  • Griechenland: Ein Blick zurück
    • Klarstellung

Es wäre eine Überraschung, wenn eine Bevölkerung freiwillig für Sparvorgaben von Ausländern stimmt

Ein „Ja“ wäre da wohl eher unwahrscheinlich, so meine Einschätzung. Und auch in den 1920er Jahren wurden in Deutschland die Reparationszahlungen nicht gerade bereitwillig erbracht – sondern unter massivem Druck, damals sogar mit militärischer Besetzung eines Teil des Staatsgebietes (Ruhrgebiet). Mit anderen Worten: Welcher Staat spart schon gerne – und welche Bevölkerung würde dem schon bereitwillig zustimmen?

Michael Vaupel

Michael Vaupel

Redakteur bei Vaupels Börsenwelt
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
Michael Vaupel

Letzte Artikel von Michael Vaupel (Alle anzeigen)

Insofern überrascht es mich nicht, dass die griechische Bevölkerung gestern mehrheitlich mit „Nein“ gestimmt hat. Es wäre eher überraschend gewesen, wenn die Mehrheit gesagt hätte: Ja, wir sollen sparen, und die Auflagen internationaler Gläubiger erfüllen! Insofern würde ich das Referendum auch nicht überbewerten. Es geht hier um Psychologie – was dann aber bei den Verhandlungen über die Schulden herauskommt, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und letztlich sollte jeder Schuldner wissen, dass die Gläubiger auch ein Wörtchen mitzureden haben.

Griechenland: Ein Blick zurück

Auch hier der Blick in die Geschichte: Ende der 1820er war Griechenland ebenfalls stark verschuldet bzw. überschuldet. Damals war es nicht die Europäische Kommission, sondern es waren Großbritannien, Russland und Frankreich, mit denen verhandelt wurde. Es sollte neue Kredite über einige Hunderttauschend britische Pfund geben. Die Bedingung: Griechenland wird Königreich. Und siehe da, genauso kam es dann auch 1832. Erster König wurde übrigens der Sohn des damaligen bayrischen Königs Ludwigs I.

Referendum in Griechenland
Ersten offiziellen Angaben zufolge stimmten am Sonntag rund 61% der an der Volksbefragung Teilnehmenden gegen die Sparvorgaben der internationalen Gläubiger. Die griechische Regierung hatte mitgeteilt, dass ein „Nein“ ihr Ziel sei – bei einem mehrheitlichen „Ja“ könnte es das Ende der Regierung in dieser Form sein.

Wie es nun weitergehen wird? Dazu zitiere ich den luxemburgischen Regierungschef mit dem schönen Namen Xavier Bettel, welcher laut Handelsblatt sagte:
„Nach dem Votum liegt es nun bei der griechischen Regierung, Vorschläge zu unterbreiten, wie es weitergehen soll.“

Und zum Ergebnis des Referendums: Menschlich verständlich, das Ergebnis. Ich finde, man kann auch durchaus die Realität ignorieren. Doch schwieriger ist es, die Folgen des Ignorierens der Realität zu ignorieren.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit diesem Basiswert zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.