Iran-Abkommen und der Ölpreis

Nachdem das Atom-Abkommen mit dem Iran unter Dach und Fach gebracht worden ist, war eine auffällige Reaktion an den Finanzmärkten diese: Der Ölpreis der Sorte WTI fiel um rund einen Dollar je Barrel. Der Rückgang beim Ölpreis der Sorte Brent war nicht ganz so stark. Hier einige Hintergründe zu diesem Thema.

Michael Vaupel

Inhaltsverzeichnis

    • Michael Vaupel
  • Die OPEC nutzte ihren Spielraum bei den Fördermengen
  • Differenzen zwischen Iran und Saudi Arabien
  • Ich selbst sehe innerhalb der OPEC zwei Lager:
    • Klarstellung

Michael Vaupel

Redakteur bei Vaupels Börsenwelt
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
Michael Vaupel

Letzte Artikel von Michael Vaupel (Alle anzeigen)

Bei den Verhandlungen war von iranischer Seite zu hören, dass die iranischen Exporte von Erdöl einige Monate nach erfolgreichem Ende um bis zu 1 Mio. Barrel pro Tag erhöht werden könnten. Anderen Analysten zufolge hingegen ist das übertreiben. Es sei mit einer Erhöhung um 0,25 bis 0,5 Mio. Barrel pro Tag zu rechnen.

Die Tendenz dürfte also klar sein: Es wird mehr iranisches Erdöl auf den Weltmarkt kommen. Allerdings gilt es, dies in Relation zu setzen. Und angesichts einer derzeitigen Produktion und Nachfrage von jeweils über 90 Mio. Barrel pro Tag (Quelle: World Energy Organization) sind da 0,25 oder 0,5 Mio. Barrel pro Tag keineswegs entscheidend, auch 1 Mio. Barrel pro Tag wäre das nicht. Denn die großen Öl-Produzenten wie Saudi Arabien haben einen gewissen Spielraum bei der Höhe der Förderung, welcher diese Größenordnung abdecken sollte.

Die OPEC nutzte ihren Spielraum bei den Fördermengen

Dieser „Spielraum“ wird durch die Politik bestimmt. Und da geht es insbesondere um die Absprachen der OPEC Staaten untereinander. Vielleicht erinnern Sie sich an die OPEC-Sitzung im November 2014. Damals setzte sich Saudi Arabien mit seiner Linie durch, die Fördermengen der OPEC zu erhöhen. Auch, wenn dadurch der Ölpreis fallen sollte. Wer weiß, vielleicht war das sogar ein Ziel der Saudis, auch wenn das die Einnahmen (temporär) verringerte. Denn durch den gesunkenen Preis sollte die im Boom befindliche US-Schieferölindustrie „abgewürgt“ werden. Das ist auch teilweise gelungen, denn danach sank mit dem Ölpreis auch die Zahl der Bohrtürme in den USA.

Differenzen zwischen Iran und Saudi Arabien

Nun, mit dem absehbaren Ende der Sanktionen gegen den Iran, könnte es am Ölmarkt durchaus interessant werden. Denn sowohl Iran als auch Saudi Arabien sind zwar beide OPEC Mitglieder – jedoch keineswegs enge Verbündete. Es gibt im Gegenteil politische Differenzen. Im Handelsblatt las ich sogar Spekulationen darüber, dass die „ohnehin schon weitgehend zerstrittene“ OPEC durch einen weiteren Konflikt „gesprengt“ werden könnte. Das halte ich zwar nicht für akut, doch Differenzen gibt es, keine Frage.

Ich selbst sehe innerhalb der OPEC zwei Lager:

  1. Im ersten Lager befinden sich OPEC-Mitglieder, welche ihren Marktanteil halten möchten. Wenn dann z.B. in den USA die Erdölförderung steigt, dann sind diese Staaten dafür, die eigenen Fördermengen ebenfalls zu erhöhen. Auch, wenn dann der Ölpreis fällt.
  2. Im zweiten Lager hingegen sind diejenigen OPEC-Mitglieder, welche einen möglichst hohen Ölpreis = Verkaufspreis für ihr Öl haben möchten. Welchen Marktanteil die OPEC hat, das ist für diese Staaten relativ unwichtig. Zu dieser Gruppe gehören Staaten wie Venezuela und Anglola, die einen Großteil ihrer Staatsausgaben via Einnahmen durch Öl-Exporte bestreiten.

Die Spannungen und Verhandlungen innerhalb dieser Gruppe sind entscheidende Faktoren, wenn es darum geht, die zukünftige Handlungsweise der OPEC zu prognostizieren. Ich selbst sehe derzeit die Gruppe „erstes Lager“ um Saudi Arabien vorne = die Entscheidungen innerhalb der OPEC bestimmend.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit diesem Basiswert zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.