Ölpreis: War es das mit der Erholung?

Wer mit dem Basiswert Öl getradet hat, konnte sich in den letzten Wochen diesbezüglich wohl kaum über Langeweile beklagen. Nachdem der Ölpreis (Sorte Brent) bis auf gut 47 Dollar je Barrel eingebrochen war (zur Erinnerung: Im Sommer 2014 stand der Preis bei über 110 Dollar/Barrel), gab es zuletzt einen starken Rebound, welcher den Preis wieder knapp über die Marke von 60 Dollar führte. Hierzu der Blick auf den Chart:

Inhaltsverzeichnis

  • Ölpreis Sorte Brent in US-Dollar je Barrel
  • Die Zahl der Ölbohrungen sinkt in den USA seit 10 Wochen
    • Aber, und dies ist ein großes ABER: Die Lager in den USA sind voll mit Erdöl.
  • Erdöl: In den USA sind die Lager voll!
    • Klarstellung
    • Michael Vaupel

Ölpreis Sorte Brent in US-Dollar je Barrel

ÖlpreisQuelle: Finanzen100

Der Chart zeigt, dass die Marke von rund 60 Dollar im Dezember eine gewisse Unterstützung war – nun ist sie im Umkehrschluss, da der Preis von unten an diese Marke stößt, zu einem Widerstand geworden. Entsprechend schwer tut sich der Ölpreis gerade mit dieser Marke. Als ich das schrieb, verlor der Ölpreis gerade 1,10 US-Dollar auf auf ca. 60,50 US-Dollar.

Wenn der Ölpreis die Marke von 60 US-Dollar nun „knackt“ und dann auch gleich über den 90-Tage-Gleitenden-Durchschnitt springt, wäre charttechnisch Luft nach oben. Doch was sagen die aktuellen Fundamentaldaten eigentlich?

Die Zahl der Ölbohrungen sinkt in den USA seit 10 Wochen

Die Zahl der aktiven Ölbohrungen in den USA ist jedenfalls derzeit nicht bearish für den Ölpreis – im Gegenteil: 10 Wochen in Folge sank nun die Zahl der aktiven Ölbohrungen. Der gesunkene Ölpreis hat offensichtlich neue Projekte weniger attraktiv gemacht, weshalb weniger gebohrt wird.

Weniger Bohrungen – das bedeutet natürlich später weniger neu erschlossene Vorkommen. So etwas wirkt sich natürlich nicht schon nächste Woche aus, aber es ist ein Signal für die Zukunft. Besonders dann, wenn die Zahl der aktiven Ölbohrungen damit so stark wie seit Jahren nicht mehr gesunken ist. Diese potenzielle Verknappung beim Angebot ist für den Ölpreis grundsätzlich eine gute Sache (im Sinne von „bullisher Faktor“).

Aber, und dies ist ein großes ABER: Die Lager in den USA sind voll mit Erdöl.

Und das nicht zu knapp. Die jüngsten Zahlen dazu (vom 11. Februar, für den Stichtag 6. Februar) vermeldeten erneut einen Anstieg der US-Lagerbestände an Erdöl:

  • Am 6. Februar lagerten den offiziellen Zahlen zufolge in den US-Lagern 417,9 Mio. Barrel. Das war ein Zuwachs von rund 4,8 Mio. Barrel innerhalb einer Woche – denn der Wert der Vorwoche hatte bei 413,1 Mio. Barrel gelegen.

Damit ist der Rekordwert aus den frühen 1990ern, als die Vorräte an der Marke von 400 Mio. Barrel kratzten, überschritten. Zum Vergleich: In der Finanzkrise des Jahres 2008 lagen die Vorräte zeitweise unter 300 Mio. Barrel.

Erdöl: In den USA sind die Lager voll!

Mit anderen Worten: Die Lager sind voll, und sie füllen sich derzeit sogar noch mehr. Und so etwas ist tendenziell preisdrückend.

Natürlich, die Zahl der aktiven Ölbohrungen in den USA geht zurück. Aber dieser Faktor kommt erst mittelfristig bei der Höhe der Ölförderung zum Tragen.

Und die EIA prognostiziert trotz der gesunkenen Zahl der Ölbohrungen einen Anstieg der US-Erdölproduktion im Jahr 2015.

Vor diesem Hintergrund dürfte es der Ölpreis aus fundamentaler Sicht schwer haben, den aktuellen Widerstand von 60 US-Dollar/Barrel deutlich und nachhaltig zu überspringen.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit Öl zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Michael Vaupel

Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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