Keine Inflation in der Eurozone im September!

Kaum ist der September zu Ende, gibt es von Eurostatt offizielle Angaben zur Höhe der Inflation in der Eurozone im Monat September. Und diese Angabe lautet: -0,1% Inflation im September! Mit anderen Worten: mehr oder weniger Preisstabilität. Was eigentlich eine gute Nachricht ist, wird aber derzeit von vielen als Problem gesehen. Warum das so ist – hier einige Hintergründe.

Michael Vaupel

Inhaltsverzeichnis

    • Michael Vaupel
  • Die Energiepreise sind auf Jahresbasis um 8,9% gesunken
  • EZB: Inflationsziel von 2,0% – tatsächliche Inflation bei -0,1%
  • EZB: Fortsetzung der Politik des leichten Geldes
    • Klarstellung

Michael Vaupel

Redakteur bei Vaupels Börsenwelt
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Zunächst die Fakten: Eurostat (auch ESTAT) ist das“Statistische Amt“ der Europäischen Union, mit Sitz in Luxemburg. Und eben diese Behörde teilte mit, dass die jährliche Inflationsrate der Eurozone im September bei -0,1% lag. Die befragten Experten hatten zuvor mit einer Stagnation (d.h. +/-0,0%) gerechnet. Hier geht es um den Vergleich zum entsprechenden Vorjahreswert, nicht zum Vormonatswert. Auf Monatsbasis können sich durchaus einmal größere Veränderungen ergeben, die dann im Jahresvergleich wieder geglättet werden.

Die Energiepreise sind auf Jahresbasis um 8,9% gesunken

Dieser Rückgang des Preisniveaus um 0,1% im Jahresvergleich ist besonders den niedrigen Preisen für Energie zu verdanken. Denn deren Preise lagen im September 2015 laut Eurostat um 8,9% unter dem Niveau vom September 2014. Übrigens war dieser Rückgang von 0,1% der erste Rückgang des Preisniveaus seit März 2015. Eurostat gibt auch Zahlen zur „Kernrate“ der Inflation: Dann werden die Preise für Energie und Nahrungsmittel herausgerechnet. Mir persönlich leuchtet das nicht ein: Denn gerade Energie- und Nahrungsmittelpreise sind schließlich genau das, was jede(n) Verbraucher(in) betrifft. Wie auch immer: Diese Kernrate lag deutlich höher, und zwar bei +0,9%. Im August hatte es laut Eurostat dasselbe Niveau gegeben.

EZB: Inflationsziel von 2,0% – tatsächliche Inflation bei -0,1%

Das „Problem“ ist nun: Die Europäische Zentralbank (EZB) hat erklärtermaßen als Ziel eine Inflation von 2,0%. Und sowohl die gesamte genannte Inflationsrate (-0,1%) als auch die Kernrate (+0,9%) liegen deutlich unter dieser Zielmarke. In der heutigen Zeit wird eben angenommen, dass ein gewisser Preisanstieg „gesund“ sei, da konjunkturbelebend.

Ich erinnere mich noch gut an die Zeiten der alten Bundesbank, als es weniger um „Wachstumsförderung“ ging als darum, die eigene Währung stabil zu halten. Eine Inflation von -0,1% und eine Kernrate von +0,9% wären da wahrscheinlich als Erfolg und nicht als „Problem“ bewertet worden. Doch der Zeitgeist hat sich geändert – und derzeit gilt eben „mehr Inflation“ als erstrebenswert. Die jüngsten Inflationszahlen könnten deshalb dafür sprechen, dass die EZB ihre Politik des leichten Geldes weiterhin durchziehen wird.

EZB: Fortsetzung der Politik des leichten Geldes

Da alles andere aber auch eine Überraschung für die meisten Marktteilnehmer(innen) wäre, dürften diese jüngsten Inflationszahlen kaum Auswirkungen auf die Kurse von europäischen Aktien und des Euros haben. Manche indes sehen die Möglichkeit, dass bei einem erneuten Rückgang der Inflationsrate im Oktober die EZB die schon sehr laxe Geldpolitik sogar noch weiter lockern wird. Eine Möglichkeit dazu wäre zum Beispiel eine Aufstockung der Käufe von europäischen Staatsanleihen. Warten wir es ab.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit diesem Basiswert zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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