Ölpreis: Aktuelle Lage und Hintergründe

Der Ölpreis hat sich in den letzten Wochen bekanntlich recht gut entwickelt. Wir sollte nicht vergessen, dass er Ende August noch im Bereich 43 Dollar/Barrel lag – aktuell sind es gut 53 Dollar/Barrel (Sorte Brent). Die 1-Monats-Performance liegt bei rund +9,4%. War dieser Zuwachs nun mehr als eine technische Reaktion auf die vorigen starken Preisverluste beim Öl – oder nicht? Dazu hier einige Anmerkungen meinerseits:

Michael Vaupel

Inhaltsverzeichnis

    • Michael Vaupel
  • OPEC-Generalsekretär hält Ölpreisanstieg für wahrscheinlich
  • Iran: Erhöhung der Ölförderung?
    • Klarstellung

Michael Vaupel

Redakteur bei Vaupels Börsenwelt
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Zunächst einmal: Auf 1-Jahres-Sicht ist der Ölpreis immer noch im deutlich negativen Territorium, was die Preisveränderung betrifft. Diese 1-Jahres-Performance liegt bei -41,1%. Immerhin, da stand auch schon mal eine „5“ vorne! Wie sieht es nun also mit den Aussichten aus? Beginnen wir mit einem Puzzle-Stück, und zwar der Aussage des Generalsekretärs der OPEC, Abdalla Salem El-Badri. Dieser sagte am Sonntag laut Reuters, dass die Ölpreise im kommenden Jahr eine „Erholung“ und „eine fortgesetzte Stabilisierung“ zeigen könnten. Die Investoren könnten „optimistisch“ sein, was die Zukunft der Ölindustrie „in den kommenden Monaten“ betreffe.

OPEC-Generalsekretär hält Ölpreisanstieg für wahrscheinlich

Bei solchen Aussagen finde ich eine gesunde Skepsis (wie eigentlich generell in der Finanzwelt) angemessen. Denn bei solchen Aussagen kann natürlich auch der Wunsch der Vater des Gedankens sein. Doch auf was für konkrete Zahlen berief sich der OPEC-Generalsekretär? Laut Reuters vertrat der OPEC Generalsekretär in einem anderen Statement (ebenfalls gestern) die Ansicht, dass das Angebot an Rohöl von Nicht-OPEC Staaten sinken werde, und zwar „substanziell“. Gleichzeitig werde die Nachfrage nach Rohöl sowohl von den Industriestaaten als auch von Seiten der Emerging Markets steigen, Wachstumssorgen wegen China hin oder her. Diese Kombination – steigende Nachfrage und zurückgehendes Angebot der Nicht-OPEC-Staaten – sei die Begründung für seine bullishe Einschätzung in Bezug auf den Ölpreis.

Da ist natürlich etwas dran – wenn es denn so eintreffen würde. Doch ich finde es zu pauschal betrachtet, von einem Rückgang des Angebots bei Nicht-OPEC-Staaten zu sprechen. Denn erstens einmal gibt es da große Fragezeichen – Beispiel US-Ölförderung. Diese ist recht abhängig vom aktuellen Ölpreis, das zeigen die Zahlen zu den Bohrlöchern. Bei stark steigenden Ölpreisen können diese Bohrungen schnell wieder steigen, und umgekehrt, das haben die letzten 12 Monate gezeigt.

Iran: Erhöhung der Ölförderung?

Und dann sind da noch die OPEC-Staaten selber. Ich bin ja selber gerade aus dem Iran zurückgekehrt und kann berichten, dass dort gerade eine große Messe für Plastik und ähnliche Produkte vorbereitet wird. Dies hängt natürlich eng mit der Ölindustrie zusammen, Gastgeber ist dann auch der iranischen „Financial Tribune“ zufolge die „National Petrochemicals Industry Company“. Diese Messe soll im kommenden Frühling stattfinden. Das Datum ist interessant: Denn wenn alles klappt, dann sollen wichtige Sanktionen gegen den Iran mit dem Jahreswechsel wegfallen. Ein deutsches Unternehmen soll die Beteiligung ausländischer Unternehmen an der iranischen Messe organisieren. Da dürften einige sozusagen in den Startlöchern stehen. Rückendeckung gibt es interessanterweise von der iranischen Führung: Der iranische Präsident Rouhani ermutigt explizit ausländische Investitionen in seinem Land. Ihm zufolge seien 150 Mrd. Dollar pro Jahr notwendig, um hohes Wirtschaftswachstum zu erzielen.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit diesem Basiswert zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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