Viele Bankfilialen vor der Schließung

Zuletzt aktualisiert & geprüft: 09.06.2021


Eine Studie der Wirtschaftsberatung PwC kommt zu dem Ergebnis, dass europaweit Tausende Bankfilialen vor der Schließung stehen könnten. Für viele Privatbanken ist ein engmaschiges Filialnetz schlicht zu teuer geworden. Denkbar ist, dass in den nächsten Jahren die Hälfte der Filialen geschlossen werden könnten. Aktien aus dem Finanzsektor können, laut unserem XTB Test, auch bei XTB gehandelt werden.

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40 Prozent aller Filialen betroffen

Laut PwC könnten bis 2023 bis zu 40 Prozent aller Filialen geschlossen werden, was auch Folgen für Mitarbeiterende und Kunden hat. Studienautor Andreas Pratz hat mit seinen Kollegen etwa 50 Privatkundenbanken und Bankengruppen mit zusammen 690 Millionen Kunden und Privatkundeneinlagen und Kredite in Höhe von geschätzten 18 Billionen Euro unter die Lupe genommen. Dazu gehörten neben Banken aus 15 europäischen Ländern auch Banken aus Nordamerika und Asien, die zu Vergleichszwecken mit einbezogen wurden.

Der wichtigste Grund für die zu erwarteten Schließungen ist, dass viele Filialen für die Banken nicht mehr profitabel sind. Die Studie kommt zu dem Resultat, dass der durchschnittliche Gewinn pro Kunde im letzten Jahr um acht Prozent auf 193 Euro gesunken ist. Schon in den Jahren zuvor ging der Durchschnittsgewinn immer weiter nach unten. Die Rolle der Geschäfte, die in den Filialen abgewickelt werden, geht ebenfalls immer mehr nach unten. Beispielsweise werden internationale Überweisungen nur noch von vergleichsweise wenigen Kunden durchgeführt und die Nachfrage nach Verbraucherkrediten geht zurück.

Viele Bankfilialen vor der Schließung

Gewinn pro Kunde sinkt

Der Ertrag pro Kunde, der in den Geschäftsstellen vor Ort erzielt wird, liegt in Deutschland sogar nur bei 172 Euro und damit unter dem Durchschnitt. Die Banken in der Schweiz erreichen in ihren Filialen einen Durchschnittsgewinn von 444 Euro pro Kunde und die österreichischen Banken immerhin 208 Euro. Auch die Durchschnittsgewinne in Spanien und Italien sind höher als in Deutschland.

In diesen Ländern sind allerdings laut Pratz die Bankgebühren höher oder Gehaltskonten enger mit anderen Bankangeboten verknüpft. Dazu kommen Unterschiede von Bank zu Bank. Die Volksbanken und Sparkassen können beispielsweise höhere Erträge vorweisen als Filialen von privaten Geschäftsbanken.

Lediglich ein Viertel der Geschäftsbanken in Europa konnte im letzten Jahr ihre Umsätze erhöhen. Der Kostendruck steigt damit weiter und viele Verantwortliche blicken bei möglichen Einsparungsmöglichkeiten auf ihre eigenen Filialen. Eine ganze Reihe an Großbanken hat zuletzt massive Programme aufgelegt oder verschärft, die mit Stellenstreichungen verbunden sind. Davon sind beispielsweise die Deutsche Bank oder die Société Générale, eine der wichtigsten Geschäftsbanken Frankreichs, betroffen. Die Commerzbank und die Postbank kündigten vor einigen Wochen ebenfalls Filialschließungen an.

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Bald nur noch 36.000 Bankfilialen

Laut der Studie könnten 2023 nur noch 36.000 der derzeit fast 60.000 Bankfilialen vorhanden sein. Die Filialen werden nach und nach durch neue Vertriebswege und Online-Aktivitäten ersetzt. Neue Kunden werden beispielsweise über das Onlinemarketing angelockt. Möchten Kundinnen und Kunden aber dennoch eine Filiale in ihrer Nähe aufsuchen, müssen sie mit längeren Wege rechnen.

Schon in den letzten zehn Jahren sind ein Drittel der Filialen in Deutschland weggefallen. Nun will beispielsweise die Commerzbank von den aktuell nur noch 790 Filialen nochmals 340 schließen. Am Ende bleiben dann noch 450 Geschäftsstellen. Damit sind auch 10.000 Stellen in Gefahr. Dies ist etwa ein Drittel der gesamten Belegschaft.

Bei der Deutschen Bank sollen bis 2022 rund 100 Filialen geschlossen werden. Zudem sollen in diesem und nächsten Jahr rund 50 Postbank-Geschäftsstellen schließen. Das Filialnetz der Deutschen Bank wird dann Ende 2022 rund 200 Filialen weniger aufweisen. Aktuell gibt es noch rund 500 Deutsche-Bank-Filialen und 800 Geschäftsstellen der Postbank

Bankfilialen vor der Schließung

Immer weniger Kunden in den Filialen

Darüber hinaus werden bei der Deutschen Bank Arbeitsplätze im Privatkundengeschäft abgebaut. Allein in den Zentralen in Bonn und Frankfurt sollen bis Ende nächsten Jahres etwa 350 Arbeitsstellen, etwa ein Drittel der Stellen, gestrichen werden. Diese Angaben gehen aus einer Studie des Beratungsunternehmens Oliver Wyman hervor. Viele Banken stellen demnach das Konzept der Bankfiliale auf den Prüfstand.

Aufgrund der vermehrten Nutzung des Onlinebankings und des demographischen Wandels gehen immer weniger Kunden in eine Bankfiliale. Die Zahl der Kunden in den Geschäftsstellen ging in den letzten Jahren deutlich zurück. Viele Banken haben zudem zuletzt ihre digitalen Angebote nochmals ausgeweitet. Die Gründe, Bankgeschäfte direkt in der Filiale abzuwickeln, werden damit immer weniger.

Klassischen Filialbanken sitzen zudem Onlinebanken wie die ING oder Comdirect im Nacken. Dazu kommt, dass viele Filialen in eher teuren Lagen angesiedelt sind und damit die Fixkosten hoch sind. Weiteren Druck wird durch die anhaltende Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank verursacht.

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Filialsterben in Deutschland bis 2030

Die Fachleute von Oliver Wyman sind der Auffassung, dass die Anzahl der Bankfilialen in Deutschland bis 2025 auf 19.100 sinken wird. Bis zum Jahr 2030 könnten dann nur noch 15.800 Filialen übrig sein. Ein ähnlicher Trend zeigt sich in anderen europäischen Ländern. Dort ist die Zahl der Filialen längst geringer. Schon jetzt kommen in Ländern wie Schweden, Finnland, Großbritannien oder Irland sowie den baltischen Staaten nur noch zwei Filialen auf 10.000 Einwohner. In Deutschland waren es bis vor kurzem noch 3,6 Filialen auf 10.000 Einwohner.

Viele Menschen gehen nur noch zum Geld abheben in die Banken vor Ort. Aber auch die Zahl der Bankautomaten wird weniger. Seit 2018 geht die Anzahl der Bankautomaten in Deutschland zurück. Laut Kersten Trojanus, dem Geschäftsführer des Geldautomatenbetreibers IC Cash und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Geldautomaten, ging die Nachfrage nach Bargeld an den Automaten von IC Cash während der Corona-Pandemie um 75 Prozent zurück.

Viele Menschen bezahlen mittlerweile bargeldlos oder heben Geld bequem beim Einkaufen im Supermarkt ab. Die Commerzbank sagt beispielsweise, dass in den letzten zwölf Monaten die Nachfrage nach Bargeld im Schnitt um zehn bis 15 Prozent zurückgegangen ist. Daher werden vielerorts Automaten abgebaut oder vorübergehend außer Betrieb genommen.

Viele Bankfilialen werden geschlossen

Renaissance von Schließfächern?

Im Zuge der Filialschließungen könnte aber ein anderes traditionelles Bankangebot eine Renaissance erleben: das Bankschließfach. Mit den Schließungen von Filialen fallen dort auch Schließfächer weg. Nun kommen erst Start-ups an den Markt, die mit Tresortechnik und Versicherungsschutz diese Lücke schließen wollen.

Mitarbeiter werden dafür kaum gebracht, denn Chipkarte und PIN-Codes führen Kundinnen und Kunden zum Schließfach. Der Weg in den Tresorraum, begleitet von Bank-Mitarbeitern, entfällt damit. Die beiden Start-ups Asservato und Trisor eröffneten kürzlich fast zeitgleich erste Filialen in Berlin.

Es ist nicht bekannt, wie viele Schließfächer es derzeit in Deutschland gibt. Weder die Bundesbank noch der Bankenverband haben dazu Zahlen. Auch Schätzungen gibt es nicht. Dies passt sehr gut zum Mythos und der Diskretion von Schließfächern. Auch der Goldhändler pro aurum GmbH und die Commerzbank können und wollen keine Angaben zur genauen Zahl der Schließfächer nennen. Der Sprecher der pro aurum GmbH verweist auf versicherungsrechtliche Gründe. Der Pressesprecher der Commerzbank spricht immerhin von einer stabilen Nachfrage und einer hohen Auslastung. Da auch die Commerzbank Filialen schließt, könnten Schließfach-Besitzer nun nach Alternativen suchen.

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Nachfrage nach Schließfächern vorhanden

Markus Ragg, der Geschäftsführer der Degussa Goldhandel GmbH, sagt, dass eine höhere Nachfrage spürbar ist, wenn Bankfilialen schließen. Die Degussa Goldhandel GmbH bietet Schließfächer in neun Städten in Deutschland an und ist nach eigener Aussage der größte Edelmetallhändler in Europa. Das Unternehmen gibt an, die Kapazitäten seiner Schließfächer regelmäßig zu erhöhen, da die Nachfrage hoch sei.

Für Gold-Anleger können Schließfächer ebenso attraktiv sein wie für Menschen, die nur eine kurze Zeit in Berlin leben und arbeiten und Dinge sicher aufbewahren möchten. Bei Asservato kann man sich in wenigen Minuten fast komplett digital anmelden. Zudem ist das Schließfach monatlich kündbar. Der Inhalt des Schließfachs ist mit 30.000 Euro versichert, unabhängig vom genauen Inhalt. Bei der Deutschen Bank ist der Inhalt eines Schließfachs nicht automatisch versichert. Das Angebot von Trisor ist ganz ähnlich, nur, dass die Besitzer rund um die Uhr zu ihren Schließfächern gelangen können.

Bankfilialen vor Schließung

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Fazit: Filialsterben in Europa

Studien kommen zu dem Ergebnis, dass in den nächsten Jahren in ganz Europa viele Bankfilialen schließen werden. Immer weniger Gewinn wird mit Kunden vor Ort erzielt. Dazu kommt ein hoher Kostendruck für Banken. Der Wegfall von Filialen ist bei vielen Banken auch mit Stellenstreichungen verbunden.

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