Keine Negativzinsen bei OnVista!

Nun ist es soweit – mittlerweile hat der erste Online-Broker Negativzinsen für seine Kunden angekündigt. Bei Geschäftskunden gab es das bereits vereinzelt: Die Guthaben wurden nicht verzinst, sondern es mussten für eigene Guthaben (!) Zinsen gezahlt werden. In früheren Zeiten unvorstellbar – doch in Zeiten der Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) ein ganz neues Phänomen. Denn wenn die privaten Geschäftsbanken selber für ihre Einlagen bei der Zentralbank Zinsen zahlen müssen, dann haben sie kaum ein Interesse daran, hohe Einlagen bei sich zu haben, die sie ohnehin nicht gewinnbringend verwenden können.

Um deshalb weitere Guthaben auf den Konten zu stoppen, wurden teilweise für die Guthaben von Geschäftskunden Negativzinsen berechnet.

Inhaltsverzeichnis

  • Negativzinsen: Einzelfall oder neuer Trend?
  • Eine begrüßenswerte Klarstellung der OnVista Bank
    • OnVista Bank: „Negativzinsen? – Nicht bei uns!“
  • Wieso sind Negativzinsen überhaupt ein Thema?
    • Grund ist die Politik der EZB!
    • Der Einlagesatz der EZB liegt bei -0,4%
    • Wieso eigentlich -0,4%? Die Erklärung
  • Guthabenzinsen oder nicht? Es gilt, abzuwägen!
  • Allround-Broker für Privatanleger(innen): OnVista Bank
    • Hintergrundwissen zur OnVista Bank
  • Fazit: Keine Negativzinsen bei der OnVista Bank

Negativzinsen: Einzelfall oder neuer Trend?

Das Neue daran ist, dass nun (dieser Artikel bezieht sich auf den Zeitpunkt März 2017) ein Online-Broker diese Negativzinsen auch für die Privatkunden berechnet. So fallen bei diesem Anbieter -0,4% Zinsen auf die Guthaben an, ab dem 15. März 2017. Ist das ein Einzelfall? Oder werden weitere Online-Broker nachziehen? Wird das sauer ersparte Geld in Zukunft, wenn es auf dem Girokonto bzw. Depotkonto liegt, sogar weniger, wenn nichts damit gemacht wird? Diese Befürchtung ist in diesem Umfeld natürlich sehr real. Es wäre wohl auch für Privatanleger(innen) keine Katastrophe – aber ärgerlich! Und insofern ist die Frage dieses Beitrags, ob „Negativzinsen“ nun zum Trend werden. Dazu meldete sich der Anbieter OnVista Bank zu Wort. Und, gibt es nun auch bei OnVista Negativzinsen für Privatanleger(innen)? Mit der Antwort auf diese Frage beschäftigt sich dieser Beitrag. Zur Sache:

Eine begrüßenswerte Klarstellung der OnVista Bank

Um das direkt klar zu stellen: Die OnVista Bank plant laut eigener Aussage derzeit keine Einführung von Guthabenzinsen. Ich zitiere dazu am besten den Anbieter selbst, der dies so formuliert: „Wie Sie sicher schon mitbekommen haben, zwingt die aktuelle Niedrigzinsphase Broker-Anbieter dazu Negativzinsen auf das Depot-Konto zu erheben. Davon möchte sich die OnVista Bank distanzieren mit der aktuellen Kampagne ´Negativzinsen? – Nicht bei uns!´ Bei den Depots der OnVista Bank wird es weder Negativzinsen geben noch Kosten für die Depot-/Kontoführung!“

OnVista

OnVista Bank: „Negativzinsen? – Nicht bei uns!“

Diese aktuelle Kampagne der OnVista Bank mit dem Titel „Negativzinsen? – Nicht bei uns!“ richtet sich an Neukunden und lässt sich mit wenigen Worten zusammenfassen. Darum geht es:

  • Handeln für nur 5,- Euro Orderprovision – Volumenunabhängig und dauerhaft.
  • Keine Negativzinsen und kostenlose Depot-/Kontoführung.

Traden mit 5 Euro Orderprovision

Es gibt einige Anmerkungen dazu von der OnVista Bank, gewissermaßen das Kleingedruckte (das empfehle ich durchaus anzuschauen). Zum einen, dass diese Neukundenaktion jederzeit beendet oder modifziert werden kann. Das ist selbstverständlich – und Sie sollten bei Interesse prüfen, ob die zum Zeitpunkt des Verfassens dieses Beitrags (März 2017) genannten Konditionen noch aktuell sind.

Zudem sollten Interessenten beachten, dass ich die genannten 5 Euro Orderprovision natürlich nur auf die bei OnVista selbst anfallenden Gebühren beziehen. Hinzu kommt ggf. eine Börsengebühr / Maklercourtage und es gibt eine pauschalisierte Handelsplatzgebühr von 1,50 Euro für die Börsenplätze Frankfurt, Stuttgart, Berlin, Düsseldorf, Hamburg und München. Das gilt es zu bedenken. Dennoch sind die Ordergebühren auch inkl. dieser Gebühren weiterhin transparent und durchaus attraktiv.

Wieso sind Negativzinsen überhaupt ein Thema?

Treten wir gewissermaßen einen Schritt zurück und stellen die Frage: Wieso sind Negativzinsen derzeit überhaupt ein Thema? Schon Kindern wird beigebracht, dass es für Erspartes Zinsen gibt. Wie soll man einem Kind erklären, dass es sparen soll – wenn für das Ersparte sogar Zinsen gezahlt werden müssen? Dadurch verringert sich das Sparguthaben – und es ist ja nicht so, dass das Preisniveau auch sinkt. Im Gegenteil: Im Februar 2017 ist die Inflation zumindest in Deutschland deutlich gestiegen und liegt bereits über der 2% Marke. Also, wie kommt es überhaupt zu Negativzinsen bei Sparguthaben für Privatanleger(innen) bei privaten Geschäftsbanken?

OnVista

Grund ist die Politik der EZB!

Der Hintergrund der „Negativzinsen“ ist in der Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zu sehen. Denn diese setzt die sogenannten „Leitzinsen“ fest. Dazu gehört zum Beispiel der Hauptrefinanzierungssatz (auf Englisch „main refinancing operations“). Geschäftsbanken können zu diesem Zinssatz Geld von der EZB erhalten, die Details lasse ich hier weg. Dieser Hauptrefinanzierungssatz liegt derzeit (März 2017) bei 0,0%. Das ist die oft zitierte „Nullzinspolitik“! Für die privaten Banken ist dieser Aspekt durchaus erfreulich: Wer leiht sich nicht gerne für Null Prozent Zinsen Geld aus? Besonders dann, wenn er/sie es dann an jemand weiter verleihen kann, um dafür Zinsen zu erhalten. Da kann sich dann auch schon eine Baufinanzierung zu 1% Hypothekenzinsen lohnen – nämlich dann, wenn der Kunde zahlt und man selbst zu 0% finanziert hat. Die Differenz lässt sich dann einstreichen. Das ist aber nur die eine Seite der Medaille, denn:

Der Einlagesatz der EZB liegt bei -0,4%

Die EZB setzt auch den sogenannten „Einlagesatz“ (auf Englisch „deposit facility“) fest. Das ist der Zinssatz, den Banken erhalten, wenn Sie Geld bei der EZB „parken“. Üblicherweise bringt dies etwas Zinseinnahmen für die Banken. Doch was ist das? Derzeit liegt dieser Zinssatz im negativen Bereich, und zwar bei -0,4%. Mit anderen Worten: Wenn eine Bank überschüssige liquide Mittel hat und diese bei der EZB parkt, dann erhält sie dafür keineswegs Zinsen – sondern muss sogar Zinsen zahlen, eben besagte -0,4% = Einlagesatz (aus Sicht der EZB sind dies eben „Einlagen“).

Wieso eigentlich -0,4%? Die Erklärung

Und das erklärt auch, warum es bei den in der Einleitung erwähnten Negativzinsen für Privatanleger eben auch um -0,4% geht. Denn das ist exakt der Satz, den eine Bank zahlen muss für bei der EZB geparktes Geld. Und wenn genug Geld für das operative Geschäft vorhanden ist, zudem die Kreditnachfrage bereits abgedeckt ist – was soll dann eine Bank oder ein Broker mit noch mehr Guthaben seiner Kunden machen? Verzinsen bringt nichts, da das Geld nicht verwendet wird. Bei der EZB parken? Das kostet besagte 0,4%! Und genau deshalb ist die Versuchung groß, diese 0,4% Negativzinsen dann den Kunden zu berechnen. Die Logik dahinter: Entweder erhöhen die Kunden dann ihre Guthaben nicht – gut. Oder sie tun dies, dann wird das eben einfach bei der EZB geparkt, und es ist ein Nullsummenspiel für die Bank, die Strafzinsen von 0,4% berechnet. Denn sie zahlt diese 0,4% auf das Guthaben, das sie bei der EZB parkt – das wird dann aber dem Kunden berechnet.

OnVista

Guthabenzinsen oder nicht? Es gilt, abzuwägen!

gebuehrenDas ist nachvollziehbar – ob es geschäftlich sinnvoll ist, lasse ich offen. Jede Bank/Online-Broker wird sich dazu ihre eigenen Gedanken machen. Es gilt zu bedenken, dass es aber auch auf die Kundenzufriedenheit ankommt und die Negativzinsen nur ein Baustein sind. So mag die OnVista Bank vielleicht nicht besonders glücklich darüber sein, wenn sie selbst Negativzinsen für Kundenguthaben zahlen muss. Doch andererseits ist ein hohes Guthaben auf dem Depotkonto vielleicht auch ein Zeichen dafür, dass der entsprechende Anleger mit der OnVista Bank zufrieden ist. Vielleicht liegt das Geld auch nur kurz da, und soll dann investiert werden? Dann wiederum würde die OnVista Bank auch an Orderprovisionen verdienen können. Sie sehen, auch aus Sicht der Bank/Online-Broker ist das Thema nicht so eindimensional, wie es auf den ersten Blick aussehen könnte. Und als Privatanleger bin ich natürlich grundsätzlich froh, wenn ein Online-Broker keine Guthabenzinsen berechnet. Noch einige Hintergrund-Informationen zum Anbieter OnVista Bank:

Allround-Broker für Privatanleger(innen): OnVista Bank

Falls Sie zu den Investoren/Tradern gehören sollten, die das Angebot der OnVista Bank noch nicht kennen, hier einige Anmerkungen. Die OnVista Bank ist eine schlanke Direktbank, die sich von Anfang an auf den Wertpapierhandel für Privatkunden konzentriert hat. Die OnVista Bank ist wahrscheinlich nicht der richtige Anbieter für Sie, wenn Sie auf klassische Bankdienstleistungen im Zahlungsverkehr Wert legen. Doch falls Sie aber einen für Privatanleger äußerst passenden Online-Broker mit günstigen Konditionen suchen, dann könnte die OnVista Bank genau der richtige Anbieter für Sie sein. Hier noch etwas weiteres  Hintergrundwissen zur OnVista Bank:

Hintergrundwissen zur OnVista Bank

RegulierungDie OnVista Bank wurde in den 1990ern gegründet und war direkt von Anfang an ein „Kind ihrer Zeit“ – indem sie nämlich ausschließlich auf das Online-Geschäft setzte. So konnten die Kosten von Anfang an günstig gehalten werden, da keinerlei Filialnetz notwendig war. Nun gut, das ist noch nichts Besonderes und bei Online-Brokern natürlich per Definition so. Der Firmensitz der OnVista Bank ist Frankfurt am Main. Damit unterliegt die OnVista Bank den für Deutschlang geltenden gesetzlichen Bedingungen. Es greift auch entsprechend die in Deutschland gültige Einlagensicherung, was ich durchaus wichtig finde. Die Einlagensicherung ist ein Punkt, den Trader und Investoren meiner Ansicht nach nicht unterschätzen sollten. Denn es kann nicht schaden, gedanklich einmal den schlechten Fall durchzuspielen, was wäre, wenn der Online-Broker einmal zahlungsunfähig sein sollte. Hierbei gilt: Die Wertpapiere im Depot sind üblicherweise Sondervermögen und wären von einer Pleite des Brokers nicht betroffen. Doch es könnte Monate dauern, bis die Wertpapiere im Fall einer Pleite des Anbieters freigegeben werden. Und die Einlagen auf dem Verrechnungskonto könnten weg sein. Das wäre ein ganz anderes Problem als die Guthabenzinsen.

OnVista

Ausführlicher Review von www.depotvergleich.com zur OnVista Bank

Bei depotvergleich.com gibt es natürlich auch zur OnVista Bank einen ausführlichen Review. Das Ergebnis kann sich mehr als sehen lassen: Es lautet „10 von 10 Punkten“. Hier werden diverse Punkte betrachtet und bewertet. Diesen lesenswerten Review finden Sie unter folgendem Link:

OnVista Bank Depot im Test: Top Erfahrungen

Unter dem gerade genannten Link erhalten Sie unter anderem eine Einordnung der Konditionen des Anbieters. Zudem wird der in diesem Beitrag angerissene Punkt „Einlagensicherung“ dort näher beleuchtet. Und natürlich werden auch die Erfahrungen von Usern mit der OnVista Bank dargestellt. Dann ist natürlich noch der eigene depotvergleich.com Test zur OnVista Bank interessant. Thema Gebühren und Handelskonditionen! Es werden auch eher Details der eher zweiten Reihe wie der Kundenservice und sonstige Extras dort thematisiert. Und Informationen zur Handelsplattform der OnVista Bank runden die Seite ab. Sie sehen: Wenn Sie mehr zum Anbieter OnVista Bank wissen möchten, dann ist der obige Link genau richtig für Sie.

Fazit: Keine Negativzinsen bei der OnVista Bank

In Zeiten, in denen erste Anbieter Negativzinsen für die Guthaben ihrer Privatkunden verlangen, ist das Statement der OnVista Bank erfreulich. Das klare Dementi ist erfrischend – kein rumeiern, sondern klare Ansage. Natürlich ist der Punkt „Negativzinsen“ nicht allein entscheidend bei der Auswahl Ihres Online-Brokers. Dabei gilt es diverse Punkte zu beachten, neben der Sicherheit (nicht zu unterschätzen) der Guthaben geht es natürlich auch um die Order-Gebühren und die Schnelligkeit der Orderausführung. Auch die Komfortabilität der Ordermaske und das Angebot an Charts und weiteren Informationen (Fundamentaldaten z.B.) sind zu bedenken. DEN Anbieter, der für alle Anleger am besten passt, gibt es wahrscheinlich nicht – denn je nach persönlichen Vorlieben und den Basiswerten, die getradet werden, kommen mehrere Anbieter in Betracht. Ein guter „Allrounder“ ist die OnVista Bank. Für diese spricht nicht nur die Tatsache, dass es keine Negativzinsen geben soll. Mehr Details zum Anbieter erhalten Sie im obigen Review – einen Blick wert! Der Review kommt mit 10 von 10 möglichen Punkten zu einem sehr guten Ergebnis für die OnVista Bank.

OnVista

Klarstellung

Betrachten Sie unsere Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben. Stand der Konditionen: März 2017

Bildquelle: OnVista

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.