Neuer Trend „Green Bonds“ in Europa?

Mit „Green Bond“ wird im angelsächsischen Raum eine Anleihe bezeichnet, deren Emissionserlös größtenteils für Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien verwendet werden soll. Dazu gehören auch Maßnahmen zur Verbesserung der Effizienz oder zur Energieeinsparung. Im englischsprachigen Raum ist dies bereits eine regelrecht etablierte Nische am Anleihenmarkt geworden – im deutschsprachigen Raum bisher noch nicht.

Das kann sich nun geändert haben – denn:

Inhaltsverzeichnis

  • Der österreichische Versorger „Verbund AG“ hat im November einen „Green Bond“ erfolgreich platziert.
    • Dies spricht dafür, dass auch im deutschsprachigen Raum der Sektor der „Green Bonds“ zu einer wachstumsstarken Nische im Anleihenbereich werden könnte.
    • Klarstellung
    • Michael Vaupel

Der österreichische Versorger „Verbund AG“ hat im November einen „Green Bond“ erfolgreich platziert.

Quelle: Pressemitteilung Verbund AG zur erfolgreichen Platzierung des „Green Bonds“

Demzufolge hat die Verbund AG das anvisierte Volumen von 500 Mio. Euro vollständig platzieren können. Die Nachfrage war offensichtlich sehr groß: Die Emission sei dreifach überzeichnet gewesen, teilte die Verbund AG mit.

Bedeutet im Klartext: Die Nachfrage lag bei ca. dem Dreifachen des angebotenen Volumens! Mithin hätten auch rund 1,5 Mrd. Euro von dieser Anleihe platziert werden können.

Dies spricht dafür, dass auch im deutschsprachigen Raum der Sektor der „Green Bonds“ zu einer wachstumsstarken Nische im Anleihenbereich werden könnte.

Die neue Anleihe hat einen Kupon von 1,5%, welcher jährlich gezahlt werden soll. Die Laufzeit beträgt 10 Jahre, im Jahr 2024 soll die Anleihe komplett getilgt werden.

Da es im Bereich der Energieversorger durchaus zu „greenwashing“ gekommen ist, hat die Verbund AG die oekom research um eine Einschätzung gebeten.

Der Begriff „greenwashing" bezeichnet die PR-Strategie von Unternehmen, sich ein „grünes Mäntelchen“ umzuhängen = eigene Umweltfreundlichkeit zu betonen, obwohl die Fakten das keineswegs begründen. Wörtlich übersetzt „grünwaschen" ist sinngemäß eher gemeint, dass ein Unternehmen sich in Bezug auf Umweltfragen eine weiße Weste durch reine PR-Maßnahmen verschaffen möchte.

Die Stellungnahme von oekom research ist eindeutig, wie ich finde:

„Der Emissionserlös der Anleihe ist ausschließlich für die Finanzierung und Refinanzierung von Energieeffizienzmaßnahmen in österreichischen Wasserkraftwerken sowie von erneuerbaren Energieprojekten in Deutschland und Österreich im Bereich Windkraft vorgesehen.“
Quelle: oekom-research

oekom research begleitete die Emission als sogenannter unabhängiger Gutachter und prüfte die Anleihe in Bezug auf Nachhaltigkeitskriterien. Dazu gehören laut oekom research selbst (ich zitiere):

  1. die Berücksichtigung umweltrelevanter Aspekte während Planung und Betrieb Arbeitsbedingungen während Bau und Instandhaltung
  2. die Vermeidung von CO2-Emissionen
  3. Dialog mit den Betroffenen
  4. soziale Standards in der Beschaffungskette

Es ist geplant, dass oekom research jährlich die Einhaltung der Nachhaltigkeitskriterien überprüfen wird. Soviel zum Thema „greenwashing“.

Peter Kollmann, der Finanzvorstand der Verbund AG, zeigte sich entsprechend stolz:

„Wir sind sehr stolz darauf, dass wir mit diesem Green Bond neue Akzente in der Unternehmensfinanzierung setzen konnten. VERBUND bekräftigt damit das Leitbild als umweltfreundliches und nachhaltig wirtschaftendes Unternehmen.“

Es bleibt abzuwarten, ob diese erfolgreiche Platzierung eines „Green Bonds“ die Ausnahme bleibt, oder zum Vorreiter eines neuen Trends am Anleihenmarkt im deutschsprachigen Raum wird.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit diesem Basiswert zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Michael Vaupel

Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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