Hohe Guthabenzinsen ausländischer Banken: Vorsicht!

In Zeiten, in denen die Zinsen für Festgeld äußerst niedrig sind und auch mit deutschen Staatsanleihen nur historisch niedrige Renditen erzielt werden können, sind naturgemäß Alternativen mit höherer Verzinsung im Blickfeld einiger Anleger. Doch dabei gibt es einiges zu beachten.

Michael Vaupel

Inhaltsverzeichnis

    • Michael Vaupel
  • Rat: Behalten Sie die Einlagensicherung im Blick!
    • Klarstellung

Michael Vaupel

Redakteur bei Vaupels Börsenwelt
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
Michael Vaupel

Letzte Artikel von Michael Vaupel (Alle anzeigen)

Beispiel Festgeld ausländischer Banken. Da werden teilweise recht attraktive Zinsen geboten. Das ist ja auch gut und schön – solange diese Bank auch zahlungsfähig ist und bleibt. Doch was, wenn nicht? Ich erinnere mich noch sehr gut an den Fall der isländischen Kaupthing Bank. Diese hatte auch in Deutschland stark um Anlegergelder geworben und bot vergleichsweise hohe Zinsen.

Doch dann kam die Finanzkrise – und die meisten der ausländischen Vertretungen der Kaupthing Bank gingen den Bach runter. So stand die deutsche Kaupthing-Niederlassung zunächst unter einem Moratorium und wurde dann 2009 geschlossen.

Wer damals auf die isländische Einlagensicherung vertraute, hörte wahrscheinlich mit Schrecken das, was der damalige isländische Präsident Ólafur Ragnar Grímsson dazu verlautbaren ließ. Sinngemäß hieß es, dass es den Steuerzahlern Islands nicht zu vermitteln sei, wenn sie jetzt auch noch für die Verluste deutscher Sparer aufkommen müssten. Diese könnten nicht erwarten, dass Island die ganze Last der Finanzkrise trage. Es gab dann ein großes Hickhack, um die Rückzahlung der Guthaben und auch um aufgelaufene Verzinsungen. Dann gab es monatelang keine Bank, über die an die deutschen Sparer überwiesen werden konnte – letztlich ging es dann über die Bundesbank. Mit anderen Worten: Eine Menge Ärger für diejenigen, welche damals Ersparnisse bei der Kaupthing Bank anlegten!

Die Lehre, die ich damals daraus gezogen habe: Immer schauen, wie es mit der Einlagensicherung im Fall einer Insolvenz des Anbieters geregelt ist. Denn manchmal kommen Finanzkrisen „unverhofft“, und wer weiß schon, wie stark eine Bank z.B. unter einem Schuldenschnitt für Griechenland leiden würde (weil sie z.B. massive Bestände an griechischen Staatsanleihen im Depot hat).

Natürlich gibt es auch heutzutage Festgeld-Angebote ausländischer Banken für den deutschen oder österreichischen Markt. Aktuell fällt mir da z.B. die russische Sberbank ein. Als ich eben nachgeschaut hatte, wurden da 0,9% Zinsen für Tagesgeld geboten, was im Vergleich mit anderen Banken durchaus attraktiv ist.

Rat: Behalten Sie die Einlagensicherung im Blick!

Und wie sieht es hier in Bezug auf die Einlagensicherung aus? Das Handelsblatt verweist darauf, dass die Europa-Töchter der Sberbank ihren Sitz im österreichischen Wien haben. Damit greife die österreichische Einlagensicherung bzw. die EU-Einlagensicherung (die sich auf Sparguthaben bis zu 100.000 Euro bezieht). Allerdings: Laut Handelsblatt ist die österreichische Einlagenversicherung gering kapitalisiert. Dann müsste der österreichische Staat selbst zahlen, wenn es zum Zahlungsausfall der Sberbank kommen würde.

Doch erinnern Sie sich an das Spektakel um die Hypo Group Alpe Adria? Der österreichische Staat hat sich – verständlicherweise – nicht gerade darum gerissen, ausländische Anteilseigner zu entschädigen. Ob das anders wäre, wenn es um ausländische Gläubiger einer russischen Bank geht, sei dahingestellt. Mit anderen Worten: Wenn Sie Angebote wie diese der Sberbank nutzen möchten, dann sollten Sie neben der Chance (Zinsen) auch immer das Risiko (möglicher Zahlungsausfall, wer zahlt dann?) im Auge behalten. Ich geht immer um ein Abwägen von Chancen und Risiken – wie letztlich immer bei der Geldanlage.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit diesem Basiswert zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.