Iran: Jenseits des Edöls

Ich möchte noch einmal auf das volkswirtschaftliche Thema „Wachstumsaussichten dank Iran-Öffnung“ zurückkommen. Schließlich bin ich gerade aus dem Iran zurückgekehrt und habe mir dort selber einen gewissen Eindruck von der Lage verschaffen können. Ich habe zu dem Thema einige volkswirtschaftliche Daten zusammengetragen, welche ich Ihnen gerne vorstellen möchte. Zu den Details:

Michael Vaupel

Inhaltsverzeichnis

    • Michael Vaupel
  • Iranischer Präsident zeigt sich freier Wirtschaft gegenüber offen
  • Iran: Das erste Mal seit 50 Jahren mehr Steuern als Öl-Einnahmen?
    • Klarstellung

Michael Vaupel

Redakteur bei Vaupels Börsenwelt
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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In meinem vorigen Beitrag zu dem Thema hatte ich bereits darauf hingewiesen, dass der Iran das Land mit den zweithöchsten bekannten Erdgasreserven der Welt ist. Wer weiß das hierzulande schon? Die Erdgasreserven des Iran stellen die von z.B. Norwegen weit in den Schatten. Siehe dazu mein letzter Beitrag zu dem Thema:

Iran: Gute Aussichten für die deutsche Wirtschaft

Als der iranische Präsident Rouhani vor kurzem in New York war, wurde darüber natürlich auch in den iranischen Medien berichtet. Ich horchte auf, als ich las, was für eine Priorität er der wirtschaftlichen Entwicklung einräumte. Immer wieder wurde auch darauf verwiesen, dass nach dem „Atom-Deal“ vom 14. Juli mit den Großmächten neue Perspektiven einer Zusammenarbeit gegeben seien. Um Investitionen im Iran interessanter zu machen, würden „rules and regulations“, also die Gesetzeslage und die Rahmenbedingungen für Unternehmen, einer kritischen Prüfung unterzogen, so der iranische Präsident.

Iranischer Präsident zeigt sich freier Wirtschaft gegenüber offen

Es solle auch mehr Wettbewerb geben – das ist eine Absage an einen Kurs der staatseigenen Monopolbetriebe. Mangelnder Wettbewerb führe zu „Monopolen, Korruption und Rezession“, so Rouhani laut der iranischen „Financial Tribune“. Das klingt doch in der Tat so, als ob der iranische Präsident für sein Land nun einen marktwirtschaftlichen Ansatz fahren möchte, mit Investitionen von westlichen Unternehmen inklusive. Natürlich wird sich an Details wie der Bürokratie zeigen, ob das klappen wird.

Und dann das Thema Öl. Wenn es um den Iran und die Weltwirtschaft geht, wird oft das Thema Öl thematisiert. Dessen relative Bedeutung für die iranische Volkswirtschaft hat zuletzt allerdings tendenziell abgenommen. Dazu konkrete Zahlen:

Im letzten Haushaltsjahr machten die Einnahmen der Verkäufe von Rohöl rund 35,5% der gesamten staatlichen Einnahmen aus (Quelle: Financial Tribune aus dem Iran), der Anteil der Steuereinnahmen an den gesamten staatlichen Einnahmen lag bei nur 30,2%.

Im laufenden Haushaltsjahr (welches als Annahme einen durchschnittlichen Rohölpreis von 70 Dollar/Barrel genommen hatte) hingegen soll der Anteil der Steuereinnahmen an den gesamten Einnahmen auf 32,2% steigen – der Anteil der Einnahmen auf den Ölverkäufen hingegen auf 26,59% fallen. Und da es so aussieht, als ob der angenommene Ölpreis von 70 Dollar/Barrel zu hoch geschätzt wurde, könnte der Anteil der Öl-Einnahmen noch geringer ausfallen.

Iran: Das erste Mal seit 50 Jahren mehr Steuern als Öl-Einnahmen?

Damit würden die Einnahmen aus Steuern das erste Mal seit 50 Jahren die Einnahmen aus den Ölverkäufen übertreffen. Ein deutliches Signal, dass die iranische Volkswirtschaft gewissermaßen den Slogan von BP bedenken sollte: „Beyond Petrol“ – jenseits des Öls.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, mit diesem Basiswert zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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