Neuemission Hapag-Lloyd: Aktie hat es schwer

Diesen Monat ging die Container­Reederei Hapag-Lloyd an die Börse. Und das war ein – aus Sicht des Unternehmens – durchwachsenes Ereignis: Der Ausgabekurs der Aktie war deutlich herabgesetzt worden, und dennoch liegt der aktuelle Börsenkurs der Papiere in dem Moment, als ich diese Zeilen schreibe, leicht unter diesem Ausgabekurs. Schauen wir doch einmal auf die Details dieses Börsengangs:

Michael Vaupel

Inhaltsverzeichnis

    • Michael Vaupel
  • Hapag-Lloyd Neuemission: Gewinnwarnung eines Konkurrenten belastete
  • Hapag-Lloyd: Der Blick auf die Quartalszahlen
    • Klarstellung

Michael Vaupel

Redakteur bei Vaupels Börsenwelt
Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.
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Zunächst einmal: Ganz offensichtlich gingen die Aktien von Hapag-Lloyd in der Zeichnungsphase keineswegs wie „geschnitten Brot“ weg. Denn dann wäre es nicht notwendig gewesen, die ursprünglich genannte Bandbreite für den Ausgabekurs der Aktien von 23 bis 29 Euro zu senken. Genau das wurde aber getan – diese Bandbreite wurde deutlich abgesenkt, auf 20 bis 22 Euro. Und selbst davon wurde dann am Ende die unterste Begrenzung = 20 Euro als Ausgabekurs genommen. Und die Zeichnungsfrist war um eine Woche verlängert worden, bis dann am 6. November der Börsengang erfolgte.

Hapag-Lloyd Neuemission: Gewinnwarnung eines Konkurrenten belastete

Immerhin, am ersten Handelstag schloss die Aktie bei 20,21 Euro. Aber das kennt man ja: Bei Neuemissionen ist es nahezu Ehrensache der die Emission begleitenden Banken, durch Maßnahmen der Kurspflege zumindest am ersten Tag den Kurs der Aktie über dem Ausgabekurs zu halten. Das klappte – aber im weiteren Monatsverlauf fiel der Aktienkurs eben unter besagten Ausgabekurs von 20 Euro. Vom Timing her für Hapag-Lloyd ungünstig war eine Gewinnwarnung eines Konkurrenten gewesen: Die Container-Rederei Mærsk meldete eine solche mitten während der Zeichnungsfrist. Kein Wunder, dass da offensichtlich einige potenzielle Anleger (aus dem institutionellen Bereich) kalte Füße bekamen.

Hapag-Lloyd: Der Blick auf die Quartalszahlen

Kurz nach dem Börsengang veröffentlichte Hapag-Lloyd auch Zahlen zum dritten Quartal bzw. die 9-Monats-Zahlen. Hier die Eckdaten:

  • Der Umsatz von Hapag-Lloyd stieg in den ersten 9 Monaten 2015 um 1,9 Mrd. Euro auf 6,8 Mrd. Euro. Dieser starke Anstieg kam aber keineswegs „organisch“ zustande, sondern durch den Zusammenschluss mit dem Containerschifffahrtsgeschäft (was für ein Wort) von CSAV, der nach Unternehmensangaben im Dezember 2014 erfolgt war.
  • Die Transportmenge erhöhte sich um 28,3% auf ca. 5,6 Mio. TEU. Auch hier wirkt sich natürlich der genannte Zusammenschluss aus.
  • Anmerkung: TEU steht für „Twenty-foot Equivalent Unit“. Dabei handelt es sich um eine international standardisierte Einheit zur Zählung von ISO-Containern verschiedener Größen, wie ich eben selber via Wikipedia gelernt habe.
  • Hapag-Lloyd konnte im genannten Zeitraum einen Nettogewinn von 160,4 Millionen Euro erzielen. Damit wurde der Turnaround geschafft, denn im vergleichbaren Vorjahreszeitraum gab es einen Nettoverlust von 224,0 Millionen Euro.

Quelle: Unternehmensangaben, „Hapag-Lloyd AG: Drittes profitables Quartal in Folge

Wegen des Zusammenschlusses mit dem Containerschifffahrtsgeschäfts von CSAV finde ich die Zahlen nur bedingt aussagekräftig. Denn da müsste man genau aufschlüsseln, welcher Teil der Veränderungen „nur“ durch den Zusammenschluss zustande kam, und welche Veränderung „organisch“ war. Folgende Aussage des Vorstandsvorsitzenden von Hapag-Lloyd macht mich zurückhaltend: „Wir sind mit unseren Ergebnissen in den ersten neun Monaten 2015 angesichts des sehr herausfordernden Marktumfeldes zufrieden" Denn „sehr herausforderndes Marktumfeld“, das klingt nach starker Konkurrenz und niedrigen Margen. Für die Aktionäre eines Unternehmens kann so ein Umfeld naturgemäß nachteilig sein. Ob das so sein wird, ist zum derzeitigen Zeitpunkt meiner Ansicht nach völlig offen.

Klarstellung

Und auch hier gilt: Dies ist meine rein subjektive Einschätzung und keine Aufforderung an Sie, diese Aktien zu handeln. Betrachten Sie meine Zeilen als Gedankenanstoß, nicht mehr und nicht weniger. Es geht um Ihr Geld – verantwortlich dafür sind Sie ganz alleine. Wir recherchieren nach bestem Wissen und Gewissen, übernehmen aber keine Gewähr für die Richtigkeit der Angaben.

Author: Michael Vaupel

Michael Vaupel ist diplomierter Volkswirt, Historiker (M.A.) und Vollblut-Börsianer. Er verfügt über Erfahrung als Leitender Redakteur und Analyst diverser Börsenbriefe (Emerging Markets, Nebenwerte, Derivate, Rohstoffe) und legt Wert auf ethisch korrektes Investieren.

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